Donnerstag, 16. März 2017

Tag 7 bis 9: Von Hospital nach Sarria

Tag 7: Hospital da Condesa nach Triacastela

Nachdem ich in einer nahegelegenen Bar im Ort morgens gut gefrühstückt hatte, mache ich mich wieder los. Ich wusste, dass es heute recht anstrengend werden konnte, weil ich den höchsten Punkt meine Reise erreichen würde. Den Gipfel von Alto de Poio mit 1335 Meter!





Mir wurde schon am Vortag empfohlen, die Straße zu nehmen. Und auch während des Frühstücks empfahl ein Einheimischer, diesen Weg zu gehen. Ich hielt mich an diesen Rat. 

Der Weg führte mich hinaus aus den Ort, immer bergauf. Dabei merkte ich, dass ich schon weniger Probleme mit den Aufstiegen hatte falls noch am Anfang meiner Reise!

An einer schönen Stelle mit toller Aussicht drehte ich ein kleines Video, dass ich hier für euch mit einfüge:



Es lag noch ein wenig Schnee aber ansonsten war die Aussicht meistens wunderbar! 


Etwa eine Stunde später war ich am Gipfel angekommen und gönnte mir erst einmal einen Milchkaffee und eine Pause. Dort oben traf ich auch zwei Hunde und eine Katze. 
Ich war total stolz auf mich und drehte noch ein kurzes Video:
 

Danach folgte ich der Straße weiter, wobei der Weg nun immer neben der Straße oder in der Nähe entlang lief. Der Boden war mit fest gestampfter Erde und ab und zu etwas Schotter recht angenehm. Manchmal lief ich auch direkt auf der Straße. Ich kam an dem Dorf Fonfria und an einer großen Kuh-Weide vorbei. 



Danach zweigte der Weg von der Hauptstraße ab und führte in die hügelige Landschaft. Kurz vor dem Dorf O Biduedo wurde es dann sehr hügelig und es ging meist bergab. Die Aussicht dort und die nächsten Kilometer war wirklich atemberaubend! 






An dieser Stelle danke ich zum ersten Mal Gott, dass ich diese Route gewählt hatte und dass er mir die Möglichkeit gab, nun an dieser Stelle zu sein und diese Reise zu machen! Es ist ein kleines ...nein... eigentlich ein größeres Wunder für mich!

In den nächsten Tagen würde ich darüber noch öfter nachdenken. 

Bald erreichte ich den Ort Fillobal, wo ich eigentlich auch hätte übernachten können. Auf jeden Fall wollte ich dort eine Rast machen, fand die Herberge mit der zugehörigen Bar aber leider geschlossen vor. Also nichts mit Übernachtung... Gut, dass mich noch einigermaßen fit fühlte! So machte ich nur eine kleine Pause am Ortsausgang, wo eine kleine Hütte stand, und machte mich dann wieder auf den Weg. Bis zu meinem Ziel in Triacastela waren es da noch gut 5 km. 




Die Aussicht war auch auf diesem Abschnitt sehr schön! Was mir ein bisschen die Laune vermisste (nur ab und zu^^), war der teilweise schwer zu begehende Untergrund, der immer mal wieder aus groben Schotter und großen Steinen bestand. Ich war allerdings froh, dass es hier fast immer nur bergab ging, weil das mit meinen Wagen noch einigermaßen gut zu bewältigen war, solange ich mich vorsichtig vorantastete. Ich war also bei diesen Teilstrecken gezwungen, besonders langsam und aufmerksam zu sein. 



Die letzten zwei Kilometer nach Triacastela ließen sich recht einfach laufen und ich kam dann gegen 19:30 Uhr abends an. Nach gut 16 km! Die Herberge Xacobeo die mir empfohlen wurde, gefiel mir wirklich gut! In dem dazugehörigen Restaurant lernte ich ein wenig später auch noch einen netten älteren Mann kennen, der viel Musik und Percussion macht und mir unter anderem auf der Ukulele etwas vorspielte. 



Wir unterhielten uns prächtig! Allerdings in Englisch, weil er nämlich aus Italien war. 

Nach dem Essen fiel ich ziemlich müde ins Bett und hatte eine ruhige Nacht in der Herberge. Ich hatte ja auch über 1000 Höhenmeter überwunden! 

Album


Pilgerreise: 14.03.2017 Hospital da Condesa - Triacastela



Tag 8: Von Triacastela nach Samos


Bei der nächsten Etappe wurde mir nahegelegt, nach Sarria über Samos zu gehen, weil diese Strecke nicht ganz so anstrengend sein sollte und mit meinem Wagen besser zu bewältigen sein sollte. Allerdings bedeutete das für mich einen Umweg von circa 8 km! Das Kloster in Samos und allgemein die Strecke sollten aber auch sehr schön sein, deswegen entschied ich mich dafür, der Empfehlung zu folgen. 


Nach Samos waren es nur ca 10 km, aber es steckten mir noch die anstrengenden 16 km vom Vortag in den Knochen! Ich hatte wirklich meine Probleme, ans Ziel zu kommen...


Der Weg führte eigentlich sehr schön durch kleine Waldabschnitte am Fluss Oribio entlang.



Die Wege waren zumeist Waldwege mit viel Laub und teilweise großen Wurzeln und Steinen. Ich empfand diesen Teil als sehr anstrengend, und als ich in dem kleinen Dorf Renche ankam, wo ich kurz auf die Hauptstraße kam, musste ich eine längere Pause machen! Ich war so erschöpft! 
Danach entschied ich mich, nach Samos die Straße zu nehmen. Das war zwar nur ein wenig kürzer, aber mit meinem Wagen einfacher zu gehen... Dabei ging es wie am Vortag meist bergab, wenn auch nicht mehr längst so steil. Ich war froh, als ich am frühen Nachmittag dann in Samos ankam. 

Das Kloster hatte Gott sei Dank geöffnet und die dazugehörige Herberge auch. Diese war, wie mir ein Bekannter schon vorher sagte, wirklich gewöhnungsbedürftig. Diese besteht nur aus einem einzigen großen Schlafsaal und einem angrenzenden Raum mit Waschbecken, Toiletten und Duschen. Es war ziemlich kalt dort, aber ich beschloss zu bleiben. 



Ich aß dort in einem Restaurant gegenüber und besuchte eine kleine und sehr alte Kapelle  (Capela do Cipres) in der Nähe und das Kloster. Später nahm ich auch an der kleinen Vesper der Mönche teil, was für mich schon eine etwas eigenartige Erfahrung war. 
Weil ich so müde war, beschloss ich früh ins Bett zu gehen. Doch an Schlaf war zuerst nicht zu denken, weil mir so kalt war! Ich holte mir noch zwei weitere Decken und nach ein oder zwei Stunden konnte ich dann endlich schlafen! An diesem Tag war ich besonders froh, dass ich mein Heizkissen mit hatte.

Album

Pilgerreise: 15.03.2017 Triacastela - Samos


Tag 9: Von Samos nach Sarria

Als ich am nächsten Morgen aufstand, hatte ich nicht wirklich Lust, weiter zu gehen, weil mich wieder eine größere Strecke erwartete. Ich kannte dieses Gefühl schon, deswegen machte ich mir allerdings nicht zu sehr Sorgen. Ich frühstückte erst einmal in Ruhe in einer Bar im Ort, ein bisschen weiter die Straße runter vom Kloster entfernt, und machte mich danach auf den Weg. 



Dieser folgte zuerst der Hauptstraße aus dem Ort hinaus und an so einer Art Naturschutzgebiet vorbei.

Danach verließ er die Hauptstraße und ging nach Norden über mehrere sehr kleine Dörfer. 
Eigentlich hatte ich nicht gedacht, dass es ein sehr anstrengender Tag würde, weil die Höhenmeter sich laut Karte kaum veränderten. Wie so oft irrte ich mich! 

Nachdem ich hinter Samos und dem nächsten Ort an einem Cefè vorbeikam, passierte ich zuerst ein paar Weiden mit Schafen, Pferden und Hühnern. Außerdem traf ich einen netten Schweinehirten, der mir einen guten Weg wünschte. Ich weiß leider nicht, ob er mir noch mehr sagen wollte, aber falls er mir mitteilen wollte, dass die Wege, die ich hier gehen wollte für meinen Wagen nicht so ganz geeignet wären, dann verstand ich ihn leider nicht. 
Denn kurze Zeit später musste ich mehrere großes Schlammlöcher durchqueren und durfte danach mit nassen Füßen einen ziemlich steilen Berg hinauf, von dem ich auf der Karte nichts gesehen hatte.
Oben angekommen entschädigte mich ein wenig die gute Aussicht. Dort fand ich auch eine kleine Kirche und einen Friedhof (Cemiterio parroquial de Pascais). Weiter ging es durch die hügelige Landschaft, immer in der Nähe des Flusses Sarria entlang. Ich passierte einen schönen Wasserfall, wo ich dieses Video drehte:
Kurz darauf passierte ich eine schwierige Stelle, an der es steil bergab ging. Mit ihrem Hang nach rechts und einem Abhang auf der linken Seite machte sie mir wirklich Angst...Ich rechnete jederzeit damit zu stützen! Gott sei Dank ist mir nichts passiert, aber ich musste danach erst einmal eine Pause machen, weil meine Beine wie Wackelpudding waren!
Der Abstieg von unten fotografiert
Im Dorf Sivil musste ich eine längere Pause machen. Ich war an dieser Stelle ganz schön kaputt! 
Danach durchquerte ich einen ganz kleinen Ort namens Perros, was soviel wie Hunde heißt. Das passte auch sehr gut, weil dort viele von ihnen bellten! (Man sollte übrigens keine Angst vor Hunden haben, wenn man den Jakobsweg gehen möchte). 
Später erreichte ich den Ort Aguiada, wo ich in einer Bar ein sehr verspätetes Mittagessen (17 Uhr) einnahm. Dort traf ich auch zwei nette Männer aus der Nähe der Bucht von Gibraltar, die dort in einem autonomen spanischen Ort wohnten. Ihre Namen waren glaube ich Paco und Pere. 

Wir liefen das letzte Stück nach Sarria gemeinsam und tranken dort noch etwas. Am Ende war es doch ein schöner Tag gewesen! Bis zu meiner Herberge Mayor war es dann auch nicht mehr weit! 


Ich nahm mir vor, einen Tag Pause zu machen und mir eine Lymphdrainage zu gönnen :-)

Album

Pilgerreise: 16.03.2017 Samos - Sarria

Kommentare:

  1. Schöner Beitrag! Ich finde ja alle, die den Jakobsweg gehen sehr bewundernswert, da muss man wirklich Durchhaltevermögen haben, aber man wird bestimmt auch mit vielen schönen Eindrücken belohnt.

    lg Babsi
    https://babsijerabek.wordpress.com

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  2. Hi Nadine,

    klasse Bericht, danke! Ich finde es spannend zu lesen, wie sich auf Deiner Fernwanderung Tag für Tag neue Erlebnisse einstellen und sich die Umgebung ändern.

    Das ist für mich umso bereichernder, als dass ich auch bald zu meiner ersten Fernwanderung aufbreche: 2700 Kilometer von Budapest nach Eisenach.

    Ich lese gerne immer mal wieder bei Dir vorbei!

    Liebe fussige Grüsse, Jana

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  3. Wieder ein sehr schöner Bericht!

    Gibt es Dinge, über die du während deiner Reise oft nachdenkst?

    #BloKoSo

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    1. Hallo Evy, vielleicht kommt die Antwort erst recht spät, aber ich habe tatsächlich viel über meine verstorbene Oma nachgedacht und was sie von meiner Reise wohl halten würde

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