Dienstag, 15. August 2017

Dieses Mal ein JA - Bewilligung meiner OPs

Super toll!

Meine Lipödem-Operationen wurden doch bewilligt!

Einer meiner Lieblingssprüche - wie gut er passt!
Es war Montag am späten Nachmittag, als ich nichtsahnend meinen Briefkasten öffnete und einen dicken Brief mit dem Stempel meiner Anwältin herausfischte.
Mein erster Gedanke: Die Krankenkasse hat meiner Anwältin eine Kopie vom Gutachten zugesandt, das im Juni beim Medizinischen Dienst gemacht wurde und sie hatte es, wie beim letzten Mal, an mich weitergeleitet.

Das stimmte auch, aber...
Der Brief enthielt außerdem die Bewilligung meiner Lipödem-Operationen!
Mir schossen direkt die Tränen in die Augen und mir wurde heiß und kalt...

Ich steckte den Brief erst einmal in meine Tasche, ging in meine Wohnung und las ihn dort noch einmal in Ruhe. Gut, dass ich auf meinem Sofa saß... So heulte ich vor Freude erst einmal eine längere Zeit, während ich meiner Familie und meinen Freunden die gute Nachricht überbrachte.

So wirklich glauben konnte ich es immer noch nicht! 
Die Wahrscheinlichkeit war so gering, dass ich die Liposuktionen bekommen würde... Seit bestimmt einem Jahr hatte ich in entsprechenden Foren und Gruppen keine positive Entscheidung mehr mitbekommen...
Aber ich habe den Antrag trotzdem gestellt ... (Passend zu dem Spruch oben)
Und ich habe gekämpft!
Für meine Gesundheit! Für ein schmerzfreies Leben!
Weil ich so nicht weiterleben wollte.
Das war mein Hauptgedanke in den letzten Wochen und Monaten.
Besonders, seit meine Schmerzen und Einschränkungen immer schlimmer wurden.

Ich hoffe so sehr, dass es mir nach den Operationen besser gehen wird!
Auch wenn mir eine harte Zeit bevorsteht und ich auch ein wenig Angst vor den OPs habe!

Als Nächstes muss ich mir ein Vertragskrankenhaus der Krankenkasse suchen, wo ich die Liposuktionen machen lassen kann. Natürlich möchte ich zu einem Arzt, der das auch gut kann.
Also heißt es jetzt Informieren und Recherchieren. Heute habe ich eine Liste mit Kliniken auf der Seite der "Lipödem Hilfe Deutschland e.V." gefunden.

Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden!
Die Nachricht muss aber wirklich noch einmal richtig sacken bei mir... 
Wahrscheinlich werde ich auch eine kleine Party mit meinen Freunden feiern.
Denn diese Nachricht wird buchstäblich mein Leben verändern!

Liebe Grüße von einer immer noch überwältigten
Nadine

Sonntag, 6. August 2017

Treffen mit Uwe, einer meiner unsichtbaren Helfer

Während (und auch vor) meiner Pilgerreise hatte ich ja ein paar unsichtbare Helferlein, dir mir auf meinem Weg mit vielen Tipps und Ratschlägen zur Seite standen.


Das waren besonders Christiane und Uwe.
Christiane lernte ich bei einer Geburtstagsfeier einer meiner engsten Freundinnen kennen und Uwe wurde mir von einem befreundeten Chormitglied aus meinem heißgeliebten Joy Gospel Choir* empfohlen. Uwe ist nicht nur einmal gepilgert, sondern schon viele Male. Deshalb konnte er besonders gute Tipps zu Strecken und Herbergen machen. Aber auch Christiane half mir oft weiter :-)
Übrigens hat Uwe bei Facebook eine Seite, wo ihr gern mal schauen könnt: 

An dieser Stelle möchte ich den Beiden noch einmal herzlich Danken! ❤

Uwe kannte ich zur Zeit meiner Pilgerreise ja noch nicht persönlich, aber das wollten wir natürlich ändern. Deshalb traf ich ihn am 26.07. in Salzgitter, als ich mal wieder meine alte Heimat Braunschweig besuchte. An diesem Tag hatten wir keine Fotos gemacht, aber dafür unterhielten wir uns prächtig, tauschten ein paar kleine Geschenke aus und aßen zusammen zum Abendbrot.
Heute, am 06.08. war er nun auch kurz in Halle. Als großer Beatles-Fan besuchte er das Museum. 




Das nutzen wir, um uns noch einmal wiederzusehen und frühstückten in dem dazugehörigen Café.
Wir verstanden uns super und schwelten gemeinsam in Erinnerungen an unsere Pilgerreisen.


Bestimmt werden wir das wiederholen!
LG, Nadine



*Gospel Chor aus Braunschweig, in dem ich lange Mitglied war und wo es nächsten Monat wieder einen tollen Workshop geben wird. Lust drauf? Hier klicken!

Samstag, 5. August 2017

Gewinnspiel zu 500 LIKES

Zum Anlass meiner ersten 500 LIKES auf meiner Facebook-Seite gibt es ein Gewinnspiel!


Es gibt drei kleine Themenpakete zu gewinnen:
1. Ein pflegendes Paket für Damen mit verschiedenen Cremes,
2. Ein interessantes Paket für angehende Pilger und
3. Ein praktisches Paket für Wander-, Outdoor- oder Picknick-Fans.


Ihr könnt gern auf meiner Facebook-Seite daran teilnehmen. 

Den Beitrag findet ihr ihr hier:


Inhalt der Pakete:

1. Ein pflegendes Paket: Tages - und Nachtcreme Wildrose von alviana Naturkosmetik (ja 30 ml, vegan) und verschiedene Proben mit Medi Beinpflegeprodukte,
2. Für angehende Pilger: ein Pilgerausweis, zwei kleine Flyer über achtsames Beginnen und Ankommen und die DVD "Der Jakobsweg. Die neue Dokumentation. Ein Weg und seine Pilger" (2009)
3. Das praktisches Paket: ein flexibles Schneidbrettchen und einen Göffel (Gabel, Messer und Löffel in einem. Beides freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Hans-Jürgen Karas  😊) sowie ein Multitool von Westfalia. 

Außerdem bekommt jeder eine von den Jakobsmuscheln, die auf dem Bild zu sehen sind
Das Gewinnspiel geht bis zum 14.8. um 12 Uhr mittags. Auslosen werde ich dann am Abend desselben Tages!

So, zum Schluss noch ein Hinweis: Dieses Gewinnspiel steht nicht in Verbindung mit Facebook oder den Firmen der zu verlosenden Artikel.

Dann wünsche ich euch viel Glück!
Und liebe Grüße von mir,
Nadine

Die Gewinner sind... *Trommelwirbel*


  • Kerstin Brennert 
  • Kai Schmiedel und
  • Kerstin Siegl 
Herzlichen Glückwunsch euch Dreien!

Donnerstag, 20. Juli 2017

Lipödem-Operationen werden vorerst nicht gezahlt


Der G-BA hat heute darüber entschieden, ob die Liposuktion bei Lipödem in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird.

Die "Lipödem Hilfe Deutschland e.V." teilte mit, "dass der Gemeinsame Bundesausschuss am heutigen Tag zwar das Potential der Liposuktion bei Lipödem festgestellt, aber trotzdem leider gegen den Antrag zur Aufnahme der Leistung in den Leistungskatalog gestimmt hat.
Stattdessen wurde beschlossen, dass in einer Erprobungsstudie der Nutzen der Behandlungsmethode nachgewiesen werden soll. Dafür wird das Beratungsverfahren bis 30.09.2022 ausgesetzt.
WICHTIG: Die Methode wurde demnach nicht ausgeschlossen!
Was genau nun auf uns zukommt, werden wir in den nächsten Monaten erfahren."




Die gesamte Pressemitteilung des Bundesausschusses könnt ihr hier nachlesen:

Diese Entscheidung ist zwar nicht unbedingt negativ, aber viele betroffene Frauen werden sicherlich trotzdem darüber traurig sein. Mich inbegriffen.
Rund fünf Jahre auf die Studien und auf eine erneute Entscheidung zu warten... das fühlt sich für mich wie eine Ewigkeit an. Und selbst dann weiß man ja noch nicht, ob die Entscheidung dann positiv sein wird.
So bleibt mir nichts weiter, als darauf zu hoffen, die Liposuktionen über die Sonderfallregelung zu bekommen. Bisher habe ich keine Nachricht von der Krankenkasse.

Sollte das auch nicht klappen, bleibt mir nur noch meine Spendensammlung oder ich hoffe auf einen Lottogewinn...



Quelle Bild: Beobachter/Andrea Klaiber

Freitag, 14. Juli 2017

Meine Fotobücher sind da!


Kurz nachdem ich von meiner Pilgerreise zurückgekehrt war, kam mir der Gedanke meine Reise in einem Fotobuch festzuhalten.
Daraufhin bastelte ich einige Wochen mit der Software des bekannten Fotobuch-Herstellers posterXXL herum. Schon bald stellte ich fest, dass ein Fotobuch nicht reichen würde und so waren es am Ende zwei Stück.


Vor circa einer Woche bestellte ich die Bücher dann und heute brachte sie endlich der Postmann vorbei!

Und sie gefallen mir wirklich gut! 
Besonders gefreut habe ich mich auch über die Lieferung, weil es mir ja zur Zeit  gesundheitlich wirklich schlecht geht. Diese Bücher endlich in den Händen zu halten brachte mir einen schönen Glücksmoment und den kann ich nun auch wiederholen, wenn ich mir die Fotobücher anschaue. 


Auspacken :-)

Während ich an den Büchern arbeitete, schwelgte ich in Erinnerungen und konnte meine Reise in Gedanken noch einmal Revue passieren lassen.
Dabei stellte ich fest, dass Erinnerungen wirklich wichtig sind.

Viel wichtiger, als materielle Dinge, die wir viel zu häufig ohne viel Verstand anhäufen.
Kennt ihr dieses Zitat von Osho? Ich finde, es passt wunderbar zu meinen Gedanken.



Bildquelle: http://zitate-auf-deutsch.de/wp-content/uploads/2017/02/leere-haende.png

Donnerstag, 13. Juli 2017

Noch einmal Via Regia von Merseburg. Dieses Mal bis Beuna

Weil es mir leider in letzter Zeit psychisch wirklich schlecht ging, habe ich beschlossen mal wieder Wandern zu gehen...

Außerdem war für heute auch ganz gutes Wander-Wetter für mich angesagt, da es trocken, aber nicht zu warm (um die 20 Grad) werden sollte. Ich hoffte so sehr, dass es mir helfen würde...

Eigentlich wollte ich die Strecke von Dornreichenbach bis Wurzen laufen. Weil man aber nach Dornreichenbach sehr lange mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln braucht, hatte ich geplant, ein Stück mit dem Auto zu fahren. Leider stellte ich kurz nach meinem Start fest, dass die Baustellen in und um Halle soviel Zeit fressen würden, dass ich nicht rechtzeitig zum Bus nach Dornreichenbach kommen würde. Spontan entschied ich nach Merseburg zu fahren, um dort noch einmal das Stück Via Regia Richtung Großkayna zu laufen.


Ich parkte mein Auto in der Nähe vom Bahnhof und lief Richtung Gotthardsteich. Ich wusste ja schon, dass dort die Via Regia entlangläuft. Die Holzbrücke auf der Westseite war leider immer noch gesperrt, weshalb ich andersherum um den Vorderen Gotthardsteich laufen musste. Dort traf ich auch zwei andere Pilger, denen ich das mit der Brücke sagte, als sie mir entgegenkamen. 
Hinterer Gotthardsteich
Das Wetter war wirklich angenehm und ich dackelte recht vergnügt am Vorderen und später am Hinteren Gotthardsteich entlang. Bei einer Bank kurz vor der Überquerung der Bundesstraße B91 zog ich meine dünne Jacke aus. Zur Vorbeugung von Blasen zog ich außerdem noch ein dünnes Paar Socken über meine Kompressionsstrümpfe, so wie ich es in Spanien auch gemacht hatte.



Nachdem ich die Bundesstraße überquert hatte, betrat ich den Südpark, wo ich mir ein bisschen die Tiergehege anschaute. Ich sah verschiedene Vogelarten, Rotwild, Ziegen, Schafe, Nutrias und Wildschweine. 
Als ich aus dem Südpark herauskam, stellte ich erfreut fest, dass hier die Markierungen besser als im letzten Jahr waren. 
Die Brücke ist da, wo rechts der Weg endet
Ich überquerte die kleine Brücke über die Geisel und bog dann nach links in das Waldstück am Klyegraben ein. Das Gras stand dieses Mal um einiges höher, als letztes Jahr im April: Oft sogar hüfthoch!
Nachdem ich kurz auf Rudolf-Bahro-Straße gekommen war, entschloss ich mich, etwas Insektenspray aufzutragen, weil es doch sehr um mich herum summte. Leider stellte ich nur ein paar Meter weiter fest, dass es schon zu spät war und mich schon zwei Mücken an den Handgelenken erwischt hatten. Naja, dachte ich mir, und stapfte weiter.
Am Klyegraben wechselten sich lichter Wald und kleine Wiesen ab. Der Weg war ganz schön zugewuchert und ich musste oft meine Arme und meinen Kopf einziehen. Bald empfand ich es als ganz schön anstrengend, dort entlangzulaufen. Mit meinen Trekkingstöcken bahnte ich mir den Weg und nutzte sie auch hin und wieder dafür, mir Brennnesseln oder Brombeerstrauchausläufer vom Leib zu halten.

Bald brannten meine Beine wie Feuer und ich wunderte mich, wie schnell ich heute aus der Puste war. Ein Stück weiter versperrten mir sogar die Äste eines niedrig wachsenden Baumes den Weg. Links oder rechts vorbei ging es auch nicht, weil diese Stelle so wild zugewachsen war. Ich fluchte ein bisschen und duckte mich tief. Ein wenig später knickte ich dann auch noch mit dem rechten Fuß um und stürzte - Gott sei Dank passierte nicht viel. Ich hatte eine Wurzel übersehen, an deren Rand ich weggeknickt bin.
Wieder einmal fluchte ich, ging aber weiter. Es tat zwar ein bisschen weh, aber es ging. Ich lief also weiter, nur jetzt etwas vorsichtiger und langsamer. Durch die zugewucherten Wege konnte man den Boden nicht genau erkennen. Er kam mir auch unebener vor als letztes Jahr. 
An der Wiese, an der ich ebenfalls letztes Jahr eine kleine Pause gemacht hatte, sah ich mich ein bisschen um. Hier gab es viele Insekten und Schmetterlinge. Es summte und brummte überall und auch viele Vögel zwitscherten in den Bäumen und Büschen.
An dieser Stelle merkte ich endgültig, dass heute nicht so mein Tag war. Mir schwand die Hoffnung, es bis nach Großkayna zu schaffen, hoffte aber, dass ich wenigstens bis nach Frankleben kommen würde, wo es ein tolles Eiscafé gibt.
Nach der besagten Wiese ging es noch einmal ein Stück durch einen etwas dichteren Wald. Der Boden hier war ziemlich zerfurcht, wie durch einen Traktor zerfahren oder so. Ich war froh, dass ich meine Stöckchen dabei hatte!

Dann trat ich auf die Straße, die nach Zscherben geht, überquerte sie und bog rechts auf den langen Feldweg Richtung Beuna ein. Hier war die Wiese in der Nähe der Kreuzung kurz gemäht und trocken und so beschloss ich, dort eine Pause zu machen. Also stellte ich meinen Rucksack ab, breitete meine Jacke aus und setzte mich. Meine Beine fühlten sich an wie Blei und schmerzten stark. Ehrlich gesagt war ich ziemlich fertig.


Während ich Pause machte, aß und trank ich in Ruhe etwas und drehte mal wieder ein Video für euch, in dem ich euch sehr ehrlich etwas über meinen "schlechten Zustand" erzähle. Das Video könnt ihr euch hier anschauen:


Während der Pause konnte ich mich zwar ein wenig erholen, aber meine Schmerzen ließen nicht nach. Außerdem fühlte ich mich auch wieder einmal sehr schwach. Deshalb entschied ich, doch nur bis nach Beuna zu laufen und die Pause ruhig noch etwas weiter auszudehnen. Ich glaube, es war eine gute Stunde. Währenddessen kamen viele Fahrradfahrer, ein paar Autos und ein Traktor vorbei.
Bevor ich weiterging, wechselte ich auch meine Schuhe. Als ich nach dem Zusammenpacken aufstand, zuckte leider ein weiteres Mal der Schmerz durch meinen Körper. Betrübt stellte ich fest, dass mir eigentlich alles weh tat. Besonders die Oberschenkel fühlten sich an, wie nach einigen Etagen Treppensteigen... Ich wünschte mich nach Hause in mein Bett, konnte mich aber dann doch noch gerade so aufraffen, die rund zwei Kilometer nach Beuna zu laufen.

Langsam trottete ich auf dem Feldweg entlang und schwankte zwischen kurzen Phasen leichter Entspannung ("Heut ist eigentlich so schönes Wetter") und längeren Phasen extremer Anspannung ("Oh Mann, mir tut alles weh... Ich will, dass das aufhört!"). Ein bisschen konnte ich noch die Umgebung genießen, aber ich quälte mich am Ende doch die meiste Zeit. Mittlerweile humpelte ich mehr, als dass ich ging...


Hier gucke ich auch ein bisschen gequält.
Dabei habe ich versucht zu lächeln
Nachdem ich einen Landwirtschaftsbetrieb passiert hatte, kam ich zum Abzweig nach Beuna. Ich bog links ab und war nach etwa 100 Metern im Ort. Ein Stückchen weiter ließ ich mich in der Nähe der Hauptstraße auf einer kleinen Treppe nieder und schaute nach, wann und wo der nächste Bus fuhr. Ich hatte Glück: In nur ein paar Minuten sollte an der Haltestelle in meiner Nähe der nächste Bus nach Merseburg fahren.
War ich froh, als ich wieder in Merseburg war und den letzten halben Kilometer zu meinem Auto hinkte! Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so fertig war. Obwohl, eigentlich wusste ich es: Letzten Samstag, als ich einer Freundin beim Umzug geholfen hatte. Da war es auch extrem. Aber mir geht es schon gut zwei Wochen auch körperlich nicht gut.
Zu Hause angekommen, musste ich erst einmal Weinen. Wegen den Schmerzen, wegen der fehlenden Energie und weil ich das Gefühl hatte, dass ich unzulänglich sei und mein Körper mich im Stich ließ...

Den ganzen Abend war ich traurig und schlief später mit dem Gedanken ein, dass es vielleicht doch gut war, dass ich im März in Spanien auf meinem Jakobsweg war... 
Denn wenn das bei mir mit meinen körperlichen Problemen so weitergehen würde, hätte ich die Reise in meinem jetzigem Zustand tatsächlich vergessen können. Zu meiner Traurigkeit kam ein klein wenig Dankbarkeit, dass ich diese Reise überhaupt machen konnte und durfte.



Album

Via Regia: Großkayna - Beuna

Montag, 3. Juli 2017

Zwischen Zukunftsangst und Hoffnung

Wenn ich meinen Gefühlszustand die letzten Wochen in einem Wort beschreiben müsste würde ich sagen:

Achterbahn!
Reine Achterbahn! 
(Okay, das waren zwei Wörter^^)


Sicherlich wollt ihr wissen, warum das so war? Dazu muss ich ein wenig ausholen…

Vielleicht könnt ihr euch daran erinnern, dass ich bei meiner Krankenkasse einen Antrag auf die Operationen zur Behandlung meiner Lipödeme gestellt habe?
Das ist nun gut ein Jahr her. Wem das ganze neu ist, hier in Kurzform ein paar Sätze dazu:
Die „kaputten“ Fettzellen vom Lipödem können mit einer Liposuktion (Fettabsaugung) mit der TLA- oder WAL-Methode abgesaugt werden. Wenn der behandelnde Arzt das gut macht, kann man danach beschwerdefrei sein. Eine Besserung der Symptome und der gesundheitlichen Einschränkungen sind nach Abheilung jedenfalls sehr wahrscheinlich. Bei mir werden voraussichtlich drei bis fünf Operationen benötigt. Außerdem vermutlich eine Straffung der Arme.
Diese Operationen sind KEINE Kassenleistungen. Sie stehen nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen und werden deshalb nur in Einzelfällen nach entsprechender Prüfung bewilligt. (Am 20.07. gibt es allerdings eine Abstimmung, die das eventuell ändern könnte.) Da ich mich gut auskenne, weiß ich, dass die Krankenkassen diese Operationen fast nie bewilligen. Und wenn doch, dann lag es eher daran, dass die Krankenkasse wegen Fristversäumnis zahlen muss. Das muss man zwar meistens auch noch einklagen, aber die Erfolgschancen sind hier recht hoch. Nur wirklich sehr wenige Frauen bekommen die Operationen auf normalem Wege.

Die Chancen standen für mich also nicht so gut und ich hatte entsprechend wenig bis keine Hoffnung auf die Operationen. Trotzdem wollte ich es versuchen.
Nach der Ablehnung, die sehr schnell von der Krankenkasse kam, folgte der Widerspruch meinerseits und dann beschloss ich recht zeitnah, mir eine Anwältin zu suchen. Nach erneuter Ablehnung und dem zweiten Widerspruch geschah lange Zeit nicht viel. Aber meine Anwältin stand hinter mir.
Nach fast einem Jahr Papierkrieg mit der Krankenkasse wurde ich dann doch noch zur persönlichen Begutachtung zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen eingeladen. Vorher wurde bei mir alles nur nach Aktenlage erledigt und entschieden.
Dieser Termin war nun letzten Mittwoch, also am 28.06.2017.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie aufgeregt und mental fertig ich vor diesem Termin war. Ich hatte solche Angst vor diesem Tag, dass ich die letzten zwei Tage davor vollkommen neben mir stand und auch ganz schlecht schlief. Ständig war ich am heulen, ich war zittrig, durcheinander und nervös. Durch den Stress reagierte mein Körper auch gleich mit Rosacea, einem roten Ausschlag im Gesicht. Vielleicht könnt ihr es auf dem Foto unten sehen?
Mir ging es wahrscheinlich so, weil ich das Gefühl hatte, dieser Arzttermin sei so etwas wie meine letzte Chance. Dass diese Entscheidung etwas Endgültiges für mich haben würde…



Zur mentalen Unterstützung beim Termin ist meine Freundin Simone aus Leipzig mitgekommen. Sie hat auch Lipödeme und ich hatte sie auf einer Infoveranstaltung für Lipödem-Patienten kennengelernt.
Dass sie zur Begutachtung nicht mit rein durfte, fand ich am Anfang ziemlich doof, aber die Ärztin, die mich abholte, wirkte wenigstens nett.
Insgesamt lief der Termin relativ gut. Nachdem ich ein paar Fragen beantwortet hatte und auch mal wieder in Tränen ausgebrochen war (wegen den ganzen Einschränkungen die ich habe), musste ich noch meine Kompressionsbestrumpfung ausziehen. Ich mag es ja gar nicht, so nackig vor einem fremden Menschen zu stehen. Da war ich froh, dass es wenigstens eine Frau war! Und die Ärztin war auch wirklich freundlich. Nach der Untersuchung sagte sie recht schnell, dass es zwar rechtlich keine Möglichkeit für die Bewilligung der Operationen geben würde, weil diese Behandlungsmethode nun mal nicht im Leistungskatalog steht, aber sie sagte auch, dass sie sich für mich einsetzen will. Dazu würde sie versuchen, die Bewilligung über einen bestimmten Paragraphen durch zu bekommen. Ich nehme mal an, dass es diese Einzelfall- oder Sonderfallregelung ist, von der ich gehört habe. Sie betonte aber auch, dass sie nichts versprechen kann, weil ja nicht sie die Entscheidung darüber trifft, sondern die Krankenkasse. Doch ich bin froh, dass sie auf meiner Seite ist. Ich glaube, das ist schon viel wert!

Habe jetzt ein bisschen mehr Hoffnung. Es bleibt also spannend!


Wenn ihr möchtet, dürft ihr mir sehr gern die Daumen drücken oder für mich beten!


Ja und auch sonst ging es bei mir sehr auf und ab....

Meine Depressionen nerven mich leider trotz der Pilgerreise wieder ganz schön. Aber eigentlich verständlich: Keine Reise kann so etwas heilen. Der Abstand zu meinen Alltag und meinen Problemen war gut und schön und meine Erfahrungen in Spanien haben mich auch gestärkt, aber eine Spontanheilung wäre wohl ein größeres Wunder gewesen ;-)

Mein größtes Problem ist wohl eine hintergründige, aber ziemlich dominante Zukunftsangst. Die wurde vor einer Weile bei meiner Psychotherapie aufgedeckt und ich muss sagen: Ich hätte es eigentlich lieber nicht gewusst. Aber immerhin weiß ich nun, wo meine Blockaden, die Konzentrations- und Motivationsprobleme so herkommen. Als ich das erfahren habe, fiel ich erst einmal in ein tiefes Loch.
Hinzu kommen in letzter Zeit auch noch vermehrt körperliche Beschwerden, die mich dann auch noch (mal mehr mal weniger) herunterziehen. Ehrlich gesagt komme ich mit meinen ganzen Einschränkungen immer schlechter zurecht. Vor ein paar Tagen hatte ich so eine Lust auf Sport, aber mittlerweile kann ich nur noch im Wasser annähernd schmerzfrei Sport machen. Leider finde ich Schwimmen und Wassergymnastik ziemlich langweilig.
Jedenfalls versuchen meine Therapeutin und ich seit dieser Erkenntnis mehr Dinge in meinen Alltag zu integrieren, die mir gut tun. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Ein paar kleine Erfolge hatte ich aber mittlerweile.
So habe ich beispielsweise ein Fotobuch über meine Pilgerreise erstellt. Diese Arbeit ließ mich in schönen Erinnerungen schwelgen und konnte meine Laune zumindest phasenweise anheben. Ich freue mich schon darauf, das Buch bzw. die zwei Bücher (Es waren sehr viele Fotos!^^) bald in den Händen halten zu können, wenn sie gedruckt wurden! Während ich daran arbeitete, stellte ich auch fest, dass Erinnerungen sehr wichtig sind – viel wichtiger als materielle Dinge!
Ein neues Hobby finden oder ein altes wieder zu beleben, war auch so eine Idee, die ich gerade verfolge, aber da ist bisher noch nicht wirklich etwas herausgekommen.
Falls ihr Ideen für mich habt: Sehr gern her damit!
An Handarbeiten fallen allerdings fast alle klassischen Möglichkeiten raus: Nähen tue ich manchmal schon. Zum Stricken, Häkeln und so hab ich kein Talent^^

Bis dahin sage ich erst einmal BIS BALD!
Und an allen ein dickes Dankeschön, wer für mich Daumen drückt oder betet!
Eure Nadine


Freitag, 9. Juni 2017

Rückblick die 3. - Von Problemen zu Lösungen


Bevor ich endlich meinen Weg gehen konnte, plagten mich viele Fragen und Sorgen, denn ich musste ein paar mehr Dinge beachten, als gesunde Pilger es tun würden.

Welche Dinge das waren möchte ich euch hier zeigen. Das Gute war, dass ich die meisten Probleme vor meiner Reise lösen konnte und meine Sorgen am Ende meist unbegründet waren. Und selbst die Dinge, die ich im Vorfeld nicht sehen konnte, waren kein Weltuntergang für mich! Ich fand meinen eigenen Weg - auf meinem persönlichen Jakobsweg :-)

Die erste Frage, die ich mir stellte war nach dem Weg:
Welche Route wollte ich gehen? Und wie weit?
Für mich stand ganz zu Beginn nur fest, dass ich nicht extrem weit laufen wollte. Der bekannteste Startpunkt bei Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich, der nahe der spanischen Grenze liegt, kam mit seinen circa 800 Kilometer Länge nach Santiago de Compostela also nicht in Frage. Das war mir einfach zu viel. Außerdem führt die erste längere Etappe des „Camino Frances“ über die Pyrenäen, eine sehr anstrengende Strecke, die ich mir ehrlich gesagt nicht zutraute.
Ich entschied bald, dass ich circa 200 bis maximal 250 Kilometer laufen wollte. Doch die Frage war immer noch, welchen Weg ich nehmen sollte.
Bei meiner Recherche stieß ich neben dem „klassischen“ Jakobsweg („Camino Frances“) auch auf die nicht so bekannten Wege: den "Caminho Portugues" (der portugiesische Weg), den "Camino del Norte" (Küstenweg), den "Camino Primitivo" und den "Via de la Plata". Auf der Seite von www.Jakobsweg.de fand ich einen Vergleich dieser Wege und kam damit meiner Entscheidung etwas näher. Denn hier war auch der Schwierigkeitsgrad der Wege beschrieben. 
Ich wollte gern einen leichten, maximal mittelschweren Weg nehmen. Neben dem bekanntesten „Camino de Frances“ rückte der portugiesische Weg in meinen Fokus. Dieser liegt – je nachdem welche Wegvariante man nimmt – zum (großen) Teil an der Küste. Dadurch hat er nicht so viele Höhenmeter und soll sich recht angenehm laufen lassen. Ich hätte hier ab Porto starten können, was circa 240 Kilometer gewesen wären.
Aber ich entschied mich gegen den „Caminho Portugues“ aus zwei Gründen:
Erstens ist hier die Herbergsdichte nicht so groß, wie auf dem "Camino Frances". Für jemanden wie mich, der nicht so weit laufen kann, ist das nicht so gut. Aus diesem Grund hätte ich wahrscheinlich häufiger auf Hotels oder Pensionen zurückgreifen müssen, was für meine studentische Reisekasse ebenfalls sehr schlecht gewesen wäre. Der zweite Grund war die etwas schlechtere Infrastruktur. Da ich annahm, dass ich Lymphdrainagen brauchen würde, machte das ebenfalls ein Minuspunkt aus.



Meinen endgültigen Startpunkt in der Stadt Ponferrada fand ich durch weitere Recherche. Am Anfang wollte ich ab Leon gehen, fand aber schnell heraus, dass es ab dort rund 310 Kilometer waren – so viel wollte ich dann doch nicht laufen! Ich überlegte eine Weile und schaute nach, wie ich am besten mit Flugzeug, Bus und Bahn zu möglichen Startpunkten kommen würde und entschied mich dann für Ponferrada, einer Kleinstadt circa 210 Kilometer von Santiago entfernt. Was auch für Ponferrada sprach, war der Rat eines Bekannten: Er empfahl mir, den Weg hinunter in den Talkessel von Ponferrada nicht zu laufen, weil er für meinen Pilgerwagen wohl nicht so geeignet wäre. Ich lernte allerdings nach meiner Reise eine Frau kennen, die auch dieses Stück bewältigen konnte. Trotzdem war ich froh, diese Empfehlung bekommen zu haben und bereute meine Entscheidung dazu nie.

Was ich allerdings nicht ahnte, war die Problematik der Nebensaison am Jakobsweg. Ich hatte gesehen, dass die meisten Herbergen am "Camino Frances" im März aufmachten, einige hatten auch ganzjährig auf und einige andere machten erst im April oder zu Ostern auf. Doch das bereitete mir vor meiner Reise keine Sorgen.
Als ich dann auf dem Weg war, stellte ich schnell fest, dass viele Herbergen doch noch geschlossen waren. Oft hatte dann auch noch genau die geschlossen, wo ich übernachten wollte. Mist!
Es passierte mir mehrmals, dass ich weiter laufen musste, als ich eigentlich wollte. Zum Beispiel am dritten Tag hatte ich in Trabadelo erst bei der vierten Unterkunft Glück. In La Faba hatten weder Herbergen, noch Gaststätten auf – und das bei Schneesturm! Am Tag, an dem ich nach Triacastela wanderte, war ich Gott sei Dank gut drauf, weil ich wegen einer geschlossenen Herberge noch gut fünf Kilometer weiter laufen musste als geplant. Ein paar Kilometer nach Sarria habe ich ebenfalls zwei Dörfer weiter laufen müssen, obwohl ich eigentlich nicht mehr weiter wollte, weil ich so geschafft war.
An dieser Stelle fand ich dann heraus, dass die Herbergen der Gemeinden in Galizien (Xunta) wohl immer und der Kirchen meistens ganzjährig auf hatten. So änderte ich ab Tag 12 meine Herangehensweise und suchte zuerst meine Wunsch-Herberge auf (falls es die gab) und wenn die geschlossen hatte, steuerte ich direkt die nächste Herberge der Gemeinde oder Kirche an. Diese Strategie behielt ich vor allem in den kleinen Orten und Dörfern bei und machte damit gute Erfahrungen.

Worüber ich mir vor meiner Reise auch kaum Gedanken machte, war meine Ernährung. Ich bin ja Vegetarierin, esse also kein Fleisch und kein Fisch.
Im Vorfeld hatte ich schon mal gehört, dass es nicht so einfach war, als Veganer oder Vegetarier den Jakobsweg zu gehen. Deshalb informierte ich mich ein wenig über vegetarische Gerichte, machte mir aber nicht extrem große Sorgen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es auf den Speisekarten keine vegetarischen Gerichte geben würde.
Doch schon am zweiten Tag wurde ich eines Besseren belehrt. Die Spanier essen nämlich sehr gern und viel Fleisch und Fisch. Vegetarier sind ihnen suspekt, denn wer in Spanien kein Fleisch mag, isst normalerweise wenigstens Fisch. Deshalb sollte man beim „Vegetarischen Salat“ gut aufpassen, weil der zu einer großen Wahrscheinlichkeit mit Thunfisch sein wird.
So langsam dämmerte mir, dass mein Speiseplan nicht so abwechslungsreich sein würde: Schlussendlich bestand er hauptsächlich aus Spiegeleiern mit Pommes und Spanischem Omlett (= Eier und Kartoffeln, manchmal mit Zwiebeln). 

Zum Ende hin kam noch Caldo, ein Eintopf aus Kartoffeln, Kohl und Bohnen dazu. Ein paar Mal habe ich auch gut gegessen, aber das war eher die Ausnahme,wie hier zum Beispiel (Vegetarisches Tahini).
Nach circa einer Woche fing ich an, immer etwas Proviant mit mir zu führen. Neben den mitgebrachten Müsliriegeln kamen nun auch Nüsse und etwas Obst dazu. Hin und wieder war auch etwas Brot dabei. Das war gut, weil wegen der Nebensaison auch noch viele Gaststätten geschlossen waren und ich manchmal unterwegs ganz schön Hunger bekam.
Nur das Frühstück war unproblematisch, denn da gibt es in Spanien entweder geröstetes Brot mit Marmelade oder Croissants. Dazu Milchkaffee oder Kakao. Alles vegetarisch!

Zu meiner Krankheit (Lipödeme) gehört auch das Symptom der kalten Haut an den betroffenen Stellen. Meine Arme bis hoch zu den Schultern, meine Beine und mein Po sind oft so kalt, dass ich abends nicht einschlafen kann. Besonders schlimm ist, dass diese Kälte nicht einfach durch Bewegung verschwinden kann.
So fragte ich mich, wie ich mit dieser Kälte klarkommen sollte? Und wie ich abends in den Herbergen wieder warm werde würde?
Dieses Problem machte mir sehr zu schaffen. Ich spielte die verschiedensten Möglichkeiten durch:

1) Eine Heizdecke, so wie ich sie zu Hause benutzte mitnehmen – leider sehr groß und schwer!
oder
Ein Heizkissen – um einiges kleiner als die Decke und circa 370 Gramm schwer.
Problem: Werde ich immer Strom haben?

2) Eine Wärmflasche – leider auch nicht so leicht mit 400 bis 500 Gramm.
Problem: Gibt es in den Herbergen immer einen Wasserkocher oder eine Küche mit Ausstattung?

3) Alternative zur Wärmflasche:
Ich experimentierte mit flexiblen Wasserbehältern mit Schraubverschluss, die ich mit heißem Wasser füllen und ähnlich wie Wärmflaschen nutzen könnte.

4) Gelkissen, die man mit dem Knicken eines Metallplättchens aktiviert und die dann durch eine chemische Reaktion eine Zeit lang Wärme spenden.
Von diesen Kissen besitze ich zwei Große - leider sind die mit nicht ganz 1 Kilogramm auch wieder recht schwer. Die kleine Version als Handwärmer wäre eine weitere Möglichkeit – Gewicht circa 100 Gramm pro Stück.

Nach vielem Hin und Her habe mich dafür entschieden, mein Heizkissen mitzunehmen sowie drei meiner kleinen Faltflaschen. Da ich diese sowieso ganz normal für mein Trinkwasser nutzen wollte, störten sie nicht und im Notfall könnte ich sie auch wie Wärmflaschen nutzen. Außerdem nahm ich zwei dieser kleinen Gel-Kissen (Handwärmer) zum Knicken mit. Sie waren sozusagen meine SOS-Notfall-Wärmequelle.

Mein Heizkissen hatte ich außer an zwei Tagen immer in Gebrauch. Ich brauchte es tatsächlich. Meine Angst, kein Strom zu haben, war Gott sei Dank nicht wirklich berechtigt. In den meisten Herbergen gab es am Bett oder zumindest in deren Nähe eine Steckdose. Da ich auch einen Mehrfachstecker für die Steckdosen mit hatte, musste ich mich nie mit einem anderen Pilger streiten.
Bei meiner Bett-Wahl schaute ich allerdings schon immer zuerst, wo denn die Steckdosen waren. Dadurch, dass im März noch nicht so viele Pilger unterwegs waren, hatte ich erfreulicherweise selten Probleme, ein Bett in der Nähe einer Steckdose zu bekommen.


Das nächste Problem, was mich beschäftigte, waren meine Medikamente.
Welche Medikamente brauche ich auf der Reise? Muss ich evtl. einen Nachweis dabeihaben, falls es Probleme beim Zoll oder so gibt?
Ich habe vor meiner Reise mit meiner Hausärztin besprochen, dass sie mir eine Liste mit meinen Medikamenten ausfüllt und unterschreibt. Im Internet war ich dazu recht schnell fündig geworden: Auf der Homepage des ADAC gibt es so eine vorgefertigte Liste, auf der alles in vier Sprachen geschrieben ist – darunter auch in Spanisch.
Mit meinen Medikamenten gab es nie Probleme an den Flughäfen oder anderswo.

Neben meinen verschreibungspflichtigen Medikamenten überlegte ich lange, welche anderen Medikamente und Pflegeprodukte ich noch mitnehmen sollte. Relativ früh machte ich mir eine Liste von den Dingen, die ich mitnehmen wollte. Ich besorgte mir bis circa zwei Wochen vor Start alles, sortierte aber dann bestimmt noch zehn Mal um und aus. So ähnlich erging es mir mit vielen Dingen auf meiner Packliste, z.B. auch mit meinen Klamotten.
Am Ende versuchte ich zwar minimalistisch zu denken, stellte aber fest, dass ich wegen meiner Erkrankungen auf vieles einfach nicht verzichten konnte oder es mir nicht traute. Ein Beispiel hierfür waren die verschiedenen Cremes zur Vorbeugung und Behandlung von wunden Stellen, die sich bei mir oft bilden.
Bei einigen Dingen reduzierte ich zumindest die Verpackung oder nahm eine kleinere „Portion“ mit.

Die meisten Dinge, die ich mitnahm, brauchte ich tatsächlich auch. Gott sei Dank benötigte ich nicht alle Medikamente, aber ich würde wohl wieder eine ähnliche Auswahl an Medikamenten und Pflegeprodukten mitnehmen.


Ein anderes Problem war der Transport von meinen Pilgerwagen. Ich fragte mich, wie ich ihn transportiert bekomme? Und ob ich Probleme mit der Fluggesellschaft bekommen könnte wegen Größe und Gewicht?
Ich machte mir hierfür am Anfang viele Gedanken. Nach einer Weile beschloss ich, einfach bei der Fluggesellschaft nachzufragen. Als feststand, dass ich mit Ryanair fliegen würde, nutzte ich den Chat auf deren Internetseite dafür. So erfuhr ich, dass ich den Pilgerwagen (mit Rucksack darauf) am besten per Sportgepäck aufgeben sollte. Dies kostet 30 Euro mit einem Maximalgewicht von 20 Kilogramm.
So beschloss ich, dem Rat zu folgen und meinen Rucksack mit dem Wagen noch etwas mit Folie zu Umwickeln. Leider dachte ich nur auf dem Hinweg daran. Auf dem Rückflug ist zwar nichts kaputtgegangen, aber mein Rucksack war doch etwas schmutzig und die Riemen, die den Rucksack am Wagen halten, waren stark verrutscht.
Die Zugstangen und meine Trekkingstöcke hatte ich übrigens in meinen Rucksack verstaut.

Bezüglich meiner Lipödeme machte mir noch eine Sache sehr zu schaffen:
Kann ich unterwegs Lymphdrainage bekommen? (Wenn ja, wie?)
Normalerweise bekomme ich zu Hause zwei Mal pro Woche eine Stunde Lymphdrainage und ich war der Überzeugung, dass ich das in Spanien zumindest ansatzweise fortführen müsste.
Mit meiner Recherche im Internet bin ich dazu tatsächlich nicht weitergekommen. Deshalb habe ich versucht, dazu etwas über ein paar Facebookgruppen und ein paar meiner Freunde herauszufinden, die schon mal in Spanien waren oder jemanden kennen, der das wissen könnte.
Nach einer Weile habe ich dadurch erfahren, dass Lymphdrainagen mit circa 10 € in Spanien relativ günstig sind und ich in den Herbergen nachfragen soll, wo ich welche bekommen kann. Ich erfuhr auch, dass ich in Massagepraxen wahrscheinlich ebenfalls fündig werden würde. Insgeheim hoffe ich aber auch, dass ich vielleicht gar keine Lymphdrainagen brauchen würde. Durch das Laufen wird ja die Venenpumpe in den Beinen aktiviert, wodurch auch der Lymphfluss angeregt werden kann.
Während meiner Reise durfte ich feststellen, dass ich durch das tägliche Laufen tatsächlich weniger Probleme mit meiner Lymphe hatte, als erwartet. Ich hatte zwar trotzdem – wie immer – mit meinen schweren Beinen zu kämpfen, aber es ging. Vor allem, wenn ich meine Beine abends oder auch mal unterwegs etwas hochlegen konnte, war es aushaltbar.
Im Endeffekt würde ich sagen, taten mir eh die Füße mehr weh, als die Beine ;-)

Auf meiner Reise habe ich nur einmal eine Lymphdrainage in Sarria machen lassen. Ich habe für circa eine Stunde 35 Euro bezahlt, also doch mehr, als ich gedacht habe. Das könnte daran liegen, dass die zehn Euro auf eine kleine Massage bezogen waren.

Kann ich meine Sachen - und vor allem besonders wichtig - meine Kompressionsbestrumpfung regelmäßig waschen?
Zuerst wollte ich eine kleine Flasche Flüssigwaschmittel für die Handwäsche mitnehmen. Super wäre auch die kleine „Reisewaschmaschine“ (ok, eigentlich keine Maschine^^) namens Scrubba Wash Bag gewesen. Mit der habe ich sehr geliebäugelt, aber mich schreckte doch der Preis ab... Hier könnt ihr mal schauen, was das ist und wie es funktioniert: Hier klicken.
Vor der Abreise hatte ich mich gegen die mobile Waschmaschine und gegen extra Waschmittel entschieden. Hauptsächlich aus Gewichtsgründen. Stattdessen nahm ich ein kleines (!!!) Stück Kernseife mit und hoffte, dass es unterwegs genug Waschmaschinen geben würde.

Die Wäsche stellte sich Gott sei Dank als wenig problematisch heraus. In den vielen Herbergen auf dem Weg gibt es Waschmaschinen und oft auch Trockner. Nachdem ich das herausgefunden hatte, versuchte ich meine Herbergen so auszuwählen, dass ich jeden zweiten oder dritten Tag in so einer Herberge übernachtete. Dafür war die App „Camino Pilgrim“ recht praktisch, weil man dort auch Angaben zu Waschmöglichkeiten in den Herbergen findet.
Wenn ich mal keine Waschmaschine hatte, wusch ich zumindest meine Unterwäsche (ein paar wenige Male auch mehr) kurz mit der Hand und der Kernseife durch und lies sie über Nacht trocknen. Am Anfang klappte das Trocknen nicht so gut: ich musste erst lernen, wie man die Wäsche so auswringt, dass sie bis zum nächsten Morgen auch trocken wird. Und zwar zusätzlich noch in einem Handtuch eingedreht.
Bei diesem Video wird es so gezeigt, wie ich es auch gemacht habe. So ab der 4. Minute geht es los:

Was ich mich auch fragte, war, ob ich genug Strom für Handy und Tablet haben werde und was mit der Verfügbarkeit von Internet ist?
Schließlich wollte ich ja auch meinen Blog weiterführen!
Bei meiner Recherche habe ich immer wieder gelesen, dass es in den Herbergen so gut wie immer Strom und oft auch WLAN gibt. Ich beschloss vorsichtshalber einen Mehrfachstecker mitzunehmen und zusätzlich zur Überbrückung von Stromknappheit auch eine Powerbank einzustecken.
Da meine eigene Powerbank nicht so groß ist, hat mir mein bester Freund seine geliehen. Ich habe sie auch ein paar Mal unterwegs gebraucht. Meist für mein Handy und zwar an den Tagen, an denen ich den Akku durch viele Fotos oder Videoaufnahmen strapaziert habe.


Internet gab es tatsächlich in vielen Herbergen und auch in vielen Bars, Cafés und Restaurants. Auf meinem Weg kehrte ich mindestens einmal, oft sogar zwei- oder dreimal in Gaststätten ein und oft konnte ich dann das dortige WLAN nutzen. Die meisten privaten Herbergen und auch die Herbergen der Xunta (Gemeinden) hatten ebenfalls WLAN. Vor meiner Reise hatte ich außerdem bei meinem Handynetzanbieter nachgefragt und einen Auslandstarif für mich dazugebucht.



Ein großes Problem war mein Schuhwerk. Gute Schuhe zu finden ist für mich so immer schon nicht leicht, aber dann auch noch ordentliche Lauf- oder Wanderschuhe?! Ein Alptraum!
So war eine wichtige Frage, welche Schuhe ich mir kaufen würde und welche ich mitnehmen würde?
Ich brauche immer Schuhe mit guter Sohle und Dämpfungssystem. Nachdem ich mit meinen ASICS nicht klar gekommen bin, kaufte ich mir kurz vor Weihnachten ein Paar Salomon Wanderschuhe. Die empfand ich als ziemlich bequem und beschloss diese auch auf meiner Pilgerreise tragen. Ich wusste allerdings lange Zeit nicht, ob ich meine leichten Sommerlaufschuhe von ADIDAS noch mitnehmen sollte. Kurz vor der Abreise packte ich sie tatsächlich ein.
Schon nach ein paar Tagen war ich heilfroh, sie eingesteckt zu haben. Die Salomon sind zwar auch gepolstert, aber die ADIDAS sind zudem auch schön weich und flexibel und verschafften mir nach der sehr festen, unflexiblen Sohle von Salomon eine Wohltat für meine Füße!


Ein weiteres gesundheitliches Problem bei mir ist, dass ich dazu neige, mir einen "Wolf" zwischen den Beinen zu laufen. Auch im Intimbereich werde ich manchmal wund. Ich fragte mich, was ich dagegen bzw. vorbeugend tun kann?
Hier konnte ich vorher schon einige Sachen ausprobieren. Trotzdem hatte ich ein wenig Bedenken, da ich ja noch nie mehrere Tage am Stück unterwegs war.


Gut war, dass meine neue Kompressionsbestrumpfung sehr gut sitzt, auch zwischen den Beinen. Da sollte ich mich also wahrscheinlich nicht wund laufen.
Bei der anderen Bestrumpfung oder wenn ich mal keine trug, zog ich eine dünne Radlerhose drunter. Den Tipp bekam ich von meiner Physiotherapeutin während meiner Reha im Herbst 2016. Dort wurden ja jeden Tag meine Beine zur Entstauung gewickelt. Die Kanten der Bandagen führten bei mir auch dazu, dass ich wund wurde. Aber mit der Hose und entsprechender Hautpflege mit Penaten-Creme und bei Bedarf Multilind- und Bepanthen-Salbe, bekam ich das wieder hin. Genau diese Tipps und Kniffe habe ich auch auf meiner Reise genutzt und bin damit sehr gut gefahren. Ich habe mir schnell angewöhnt, bei Anzeichen vom Wolf zeitnah nachzuschauen und zu handeln. Dadurch hatte ich nur einmal einen echten Wolf und ansonsten war ich gar nicht bis sehr wenig wund!

Ein bisschen Angst hatte ich auch wegen der Sprache und dem Unbekannten. Schließlich war es meine erste längere Reise ins Ausland. Ich würde allein in einem unbekannten Land mit unbekannten Gebräuchen und einer fast unbekannten Sprache unterwegs sein! Holla!
Ich fragte mich also, wie ich in Spanien klarkommen würde?
Würde ich mein Englisch reichen? (Das ist recht gut.) Und wenn nicht, würde das bisschen Spanisch reichen, das ich mittlerweile konnte?
Ende Mai 2016 hatte ich eher aus Spaß angefangen, mit der App Duolingo Spanisch zu lernen. Zur Zeit der Abreise war ich laut dieser App bei 17 oder 18% Sprachbeherrschung – naja immerhin! Ich war froh, denn das war zumindest etwas! In einigen alltäglichen Situationen war es tatsächlich gut, wenigstens ein paar Wörter sprechen zu können: Ungeachtet jeder Grammatik! ;-)
Ich stellte fest, dass sich die Einheimischen freuen, wenn man sich etwas an ihrer Sprache versucht. Deshalb würde jedem empfehlen, vorher zumindest die wichtigen Floskeln (Begrüßung, Verabschiedung, Bitte, Danke usw.) zu lernen und auch mehr, wenn man Lust und Zeit dafür hat!
Tatsächlich sprach ich aber am häufigsten Englisch! Die meisten Pilger können nämlich Englisch und untereinander ist das deshalb sozusagen „die Sprache der Wahl“. Das ging sogar so weit, dass ich am 15. Tag anfing, in Englisch zu denken und zu Träumen! Ich traf übrigens auch viele deutschsprachige Pilger – hauptsächlich sehr junge Leute. Ich nehme mal an, dass das an den aktuellen Semesterferien lag.

Quellen​ der Bilder:
Fragen: https://pixabay.com/en/questions-board-blackboard-font-2212771/
Tür: https://pixabay.com/de/bolzen-vorh%C3%A4ngeschloss-sperre-1751089/
Medikamente: https://pixabay.com/de/drogen-medizin-medikamente-pillen-1728381
Massage: https://pixabay.com/de/entspannung-massage-erholung-684716/
Flagge: https://pixabay.com/de/spanien-flagge-fahne-banner-rot-1179106/