Freitag, 9. Juni 2017

Rückblick die 3. - Von Problemen zu Lösungen


Bevor ich endlich meinen Weg gehen konnte, plagten mich viele Fragen und Sorgen, denn ich musste ein paar mehr Dinge beachten, als gesunde Pilger es tun würden.

Welche Dinge das waren möchte ich euch hier zeigen. Das Gute war, dass ich die meisten Probleme vor meiner Reise lösen konnte und meine Sorgen am Ende meist unbegründet waren. Und selbst die Dinge, die ich im Vorfeld nicht sehen konnte, waren kein Weltuntergang für mich! Ich fand meinen eigenen Weg - auf meinem persönlichen Jakobsweg :-)

Die erste Frage, die ich mir stellte war nach dem Weg:
Welche Route wollte ich gehen? Und wie weit?
Für mich stand ganz zu Beginn nur fest, dass ich nicht extrem weit laufen wollte. Der bekannteste Startpunkt bei Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich, der nahe der spanischen Grenze liegt, kam mit seinen circa 800 Kilometer Länge nach Santiago de Compostela also nicht in Frage. Das war mir einfach zu viel. Außerdem führt die erste längere Etappe des „Camino Frances“ über die Pyrenäen, eine sehr anstrengende Strecke, die ich mir ehrlich gesagt nicht zutraute.
Ich entschied bald, dass ich circa 200 bis maximal 250 Kilometer laufen wollte. Doch die Frage war immer noch, welchen Weg ich nehmen sollte.
Bei meiner Recherche stieß ich neben dem „klassischen“ Jakobsweg („Camino Frances“) auch auf die nicht so bekannten Wege: den "Caminho Portugues" (der portugiesische Weg), den "Camino del Norte" (Küstenweg), den "Camino Primitivo" und den "Via de la Plata". Auf der Seite von www.Jakobsweg.de fand ich einen Vergleich dieser Wege und kam damit meiner Entscheidung etwas näher. Denn hier war auch der Schwierigkeitsgrad der Wege beschrieben. 
Ich wollte gern einen leichten, maximal mittelschweren Weg nehmen. Neben dem bekanntesten „Camino de Frances“ rückte der portugiesische Weg in meinen Fokus. Dieser liegt – je nachdem welche Wegvariante man nimmt – zum (großen) Teil an der Küste. Dadurch hat er nicht so viele Höhenmeter und soll sich recht angenehm laufen lassen. Ich hätte hier ab Porto starten können, was circa 240 Kilometer gewesen wären.
Aber ich entschied mich gegen den „Caminho Portugues“ aus zwei Gründen:
Erstens ist hier die Herbergsdichte nicht so groß, wie auf dem "Camino Frances". Für jemanden wie mich, der nicht so weit laufen kann, ist das nicht so gut. Aus diesem Grund hätte ich wahrscheinlich häufiger auf Hotels oder Pensionen zurückgreifen müssen, was für meine studentische Reisekasse ebenfalls sehr schlecht gewesen wäre. Der zweite Grund war die etwas schlechtere Infrastruktur. Da ich annahm, dass ich Lymphdrainagen brauchen würde, machte das ebenfalls ein Minuspunkt aus.



Meinen endgültigen Startpunkt in der Stadt Ponferrada fand ich durch weitere Recherche. Am Anfang wollte ich ab Leon gehen, fand aber schnell heraus, dass es ab dort rund 310 Kilometer waren – so viel wollte ich dann doch nicht laufen! Ich überlegte eine Weile und schaute nach, wie ich am besten mit Flugzeug, Bus und Bahn zu möglichen Startpunkten kommen würde und entschied mich dann für Ponferrada, einer Kleinstadt circa 210 Kilometer von Santiago entfernt. Was auch für Ponferrada sprach, war der Rat eines Bekannten: Er empfahl mir, den Weg hinunter in den Talkessel von Ponferrada nicht zu laufen, weil er für meinen Pilgerwagen wohl nicht so geeignet wäre. Ich lernte allerdings nach meiner Reise eine Frau kennen, die auch dieses Stück bewältigen konnte. Trotzdem war ich froh, diese Empfehlung bekommen zu haben und bereute meine Entscheidung dazu nie.

Was ich allerdings nicht ahnte, war die Problematik der Nebensaison am Jakobsweg. Ich hatte gesehen, dass die meisten Herbergen am "Camino Frances" im März aufmachten, einige hatten auch ganzjährig auf und einige andere machten erst im April oder zu Ostern auf. Doch das bereitete mir vor meiner Reise keine Sorgen.
Als ich dann auf dem Weg war, stellte ich schnell fest, dass viele Herbergen doch noch geschlossen waren. Oft hatte dann auch noch genau die geschlossen, wo ich übernachten wollte. Mist!
Es passierte mir mehrmals, dass ich weiter laufen musste, als ich eigentlich wollte. Zum Beispiel am dritten Tag hatte ich in Trabadelo erst bei der vierten Unterkunft Glück. In La Faba hatten weder Herbergen, noch Gaststätten auf – und das bei Schneesturm! Am Tag, an dem ich nach Triacastela wanderte, war ich Gott sei Dank gut drauf, weil ich wegen einer geschlossenen Herberge noch gut fünf Kilometer weiter laufen musste als geplant. Ein paar Kilometer nach Sarria habe ich ebenfalls zwei Dörfer weiter laufen müssen, obwohl ich eigentlich nicht mehr weiter wollte, weil ich so geschafft war.
An dieser Stelle fand ich dann heraus, dass die Herbergen der Gemeinden in Galizien (Xunta) wohl immer und der Kirchen meistens ganzjährig auf hatten. So änderte ich ab Tag 12 meine Herangehensweise und suchte zuerst meine Wunsch-Herberge auf (falls es die gab) und wenn die geschlossen hatte, steuerte ich direkt die nächste Herberge der Gemeinde oder Kirche an. Diese Strategie behielt ich vor allem in den kleinen Orten und Dörfern bei und machte damit gute Erfahrungen.

Worüber ich mir vor meiner Reise auch kaum Gedanken machte, war meine Ernährung. Ich bin ja Vegetarierin, esse also kein Fleisch und kein Fisch.
Im Vorfeld hatte ich schon mal gehört, dass es nicht so einfach war, als Veganer oder Vegetarier den Jakobsweg zu gehen. Deshalb informierte ich mich ein wenig über vegetarische Gerichte, machte mir aber nicht extrem große Sorgen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es auf den Speisekarten keine vegetarischen Gerichte geben würde.
Doch schon am zweiten Tag wurde ich eines Besseren belehrt. Die Spanier essen nämlich sehr gern und viel Fleisch und Fisch. Vegetarier sind ihnen suspekt, denn wer in Spanien kein Fleisch mag, isst normalerweise wenigstens Fisch. Deshalb sollte man beim „Vegetarischen Salat“ gut aufpassen, weil der zu einer großen Wahrscheinlichkeit mit Thunfisch sein wird.
So langsam dämmerte mir, dass mein Speiseplan nicht so abwechslungsreich sein würde: Schlussendlich bestand er hauptsächlich aus Spiegeleiern mit Pommes und Spanischem Omlett (= Eier und Kartoffeln, manchmal mit Zwiebeln). 

Zum Ende hin kam noch Caldo, ein Eintopf aus Kartoffeln, Kohl und Bohnen dazu. Ein paar Mal habe ich auch gut gegessen, aber das war eher die Ausnahme,wie hier zum Beispiel (Vegetarisches Tahini).
Nach circa einer Woche fing ich an, immer etwas Proviant mit mir zu führen. Neben den mitgebrachten Müsliriegeln kamen nun auch Nüsse und etwas Obst dazu. Hin und wieder war auch etwas Brot dabei. Das war gut, weil wegen der Nebensaison auch noch viele Gaststätten geschlossen waren und ich manchmal unterwegs ganz schön Hunger bekam.
Nur das Frühstück war unproblematisch, denn da gibt es in Spanien entweder geröstetes Brot mit Marmelade oder Croissants. Dazu Milchkaffee oder Kakao. Alles vegetarisch!

Zu meiner Krankheit (Lipödeme) gehört auch das Symptom der kalten Haut an den betroffenen Stellen. Meine Arme bis hoch zu den Schultern, meine Beine und mein Po sind oft so kalt, dass ich abends nicht einschlafen kann. Besonders schlimm ist, dass diese Kälte nicht einfach durch Bewegung verschwinden kann.
So fragte ich mich, wie ich mit dieser Kälte klarkommen sollte? Und wie ich abends in den Herbergen wieder warm werde würde?
Dieses Problem machte mir sehr zu schaffen. Ich spielte die verschiedensten Möglichkeiten durch:

1) Eine Heizdecke, so wie ich sie zu Hause benutzte mitnehmen – leider sehr groß und schwer!
oder
Ein Heizkissen – um einiges kleiner als die Decke und circa 370 Gramm schwer.
Problem: Werde ich immer Strom haben?

2) Eine Wärmflasche – leider auch nicht so leicht mit 400 bis 500 Gramm.
Problem: Gibt es in den Herbergen immer einen Wasserkocher oder eine Küche mit Ausstattung?

3) Alternative zur Wärmflasche:
Ich experimentierte mit flexiblen Wasserbehältern mit Schraubverschluss, die ich mit heißem Wasser füllen und ähnlich wie Wärmflaschen nutzen könnte.

4) Gelkissen, die man mit dem Knicken eines Metallplättchens aktiviert und die dann durch eine chemische Reaktion eine Zeit lang Wärme spenden.
Von diesen Kissen besitze ich zwei Große - leider sind die mit nicht ganz 1 Kilogramm auch wieder recht schwer. Die kleine Version als Handwärmer wäre eine weitere Möglichkeit – Gewicht circa 100 Gramm pro Stück.

Nach vielem Hin und Her habe mich dafür entschieden, mein Heizkissen mitzunehmen sowie drei meiner kleinen Faltflaschen. Da ich diese sowieso ganz normal für mein Trinkwasser nutzen wollte, störten sie nicht und im Notfall könnte ich sie auch wie Wärmflaschen nutzen. Außerdem nahm ich zwei dieser kleinen Gel-Kissen (Handwärmer) zum Knicken mit. Sie waren sozusagen meine SOS-Notfall-Wärmequelle.

Mein Heizkissen hatte ich außer an zwei Tagen immer in Gebrauch. Ich brauchte es tatsächlich. Meine Angst, kein Strom zu haben, war Gott sei Dank nicht wirklich berechtigt. In den meisten Herbergen gab es am Bett oder zumindest in deren Nähe eine Steckdose. Da ich auch einen Mehrfachstecker für die Steckdosen mit hatte, musste ich mich nie mit einem anderen Pilger streiten.
Bei meiner Bett-Wahl schaute ich allerdings schon immer zuerst, wo denn die Steckdosen waren. Dadurch, dass im März noch nicht so viele Pilger unterwegs waren, hatte ich erfreulicherweise selten Probleme, ein Bett in der Nähe einer Steckdose zu bekommen.


Das nächste Problem, was mich beschäftigte, waren meine Medikamente.
Welche Medikamente brauche ich auf der Reise? Muss ich evtl. einen Nachweis dabeihaben, falls es Probleme beim Zoll oder so gibt?
Ich habe vor meiner Reise mit meiner Hausärztin besprochen, dass sie mir eine Liste mit meinen Medikamenten ausfüllt und unterschreibt. Im Internet war ich dazu recht schnell fündig geworden: Auf der Homepage des ADAC gibt es so eine vorgefertigte Liste, auf der alles in vier Sprachen geschrieben ist – darunter auch in Spanisch.
Mit meinen Medikamenten gab es nie Probleme an den Flughäfen oder anderswo.

Neben meinen verschreibungspflichtigen Medikamenten überlegte ich lange, welche anderen Medikamente und Pflegeprodukte ich noch mitnehmen sollte. Relativ früh machte ich mir eine Liste von den Dingen, die ich mitnehmen wollte. Ich besorgte mir bis circa zwei Wochen vor Start alles, sortierte aber dann bestimmt noch zehn Mal um und aus. So ähnlich erging es mir mit vielen Dingen auf meiner Packliste, z.B. auch mit meinen Klamotten.
Am Ende versuchte ich zwar minimalistisch zu denken, stellte aber fest, dass ich wegen meiner Erkrankungen auf vieles einfach nicht verzichten konnte oder es mir nicht traute. Ein Beispiel hierfür waren die verschiedenen Cremes zur Vorbeugung und Behandlung von wunden Stellen, die sich bei mir oft bilden.
Bei einigen Dingen reduzierte ich zumindest die Verpackung oder nahm eine kleinere „Portion“ mit.

Die meisten Dinge, die ich mitnahm, brauchte ich tatsächlich auch. Gott sei Dank benötigte ich nicht alle Medikamente, aber ich würde wohl wieder eine ähnliche Auswahl an Medikamenten und Pflegeprodukten mitnehmen.


Ein anderes Problem war der Transport von meinen Pilgerwagen. Ich fragte mich, wie ich ihn transportiert bekomme? Und ob ich Probleme mit der Fluggesellschaft bekommen könnte wegen Größe und Gewicht?
Ich machte mir hierfür am Anfang viele Gedanken. Nach einer Weile beschloss ich, einfach bei der Fluggesellschaft nachzufragen. Als feststand, dass ich mit Ryanair fliegen würde, nutzte ich den Chat auf deren Internetseite dafür. So erfuhr ich, dass ich den Pilgerwagen (mit Rucksack darauf) am besten per Sportgepäck aufgeben sollte. Dies kostet 30 Euro mit einem Maximalgewicht von 20 Kilogramm.
So beschloss ich, dem Rat zu folgen und meinen Rucksack mit dem Wagen noch etwas mit Folie zu Umwickeln. Leider dachte ich nur auf dem Hinweg daran. Auf dem Rückflug ist zwar nichts kaputtgegangen, aber mein Rucksack war doch etwas schmutzig und die Riemen, die den Rucksack am Wagen halten, waren stark verrutscht.
Die Zugstangen und meine Trekkingstöcke hatte ich übrigens in meinen Rucksack verstaut.

Bezüglich meiner Lipödeme machte mir noch eine Sache sehr zu schaffen:
Kann ich unterwegs Lymphdrainage bekommen? (Wenn ja, wie?)
Normalerweise bekomme ich zu Hause zwei Mal pro Woche eine Stunde Lymphdrainage und ich war der Überzeugung, dass ich das in Spanien zumindest ansatzweise fortführen müsste.
Mit meiner Recherche im Internet bin ich dazu tatsächlich nicht weitergekommen. Deshalb habe ich versucht, dazu etwas über ein paar Facebookgruppen und ein paar meiner Freunde herauszufinden, die schon mal in Spanien waren oder jemanden kennen, der das wissen könnte.
Nach einer Weile habe ich dadurch erfahren, dass Lymphdrainagen mit circa 10 € in Spanien relativ günstig sind und ich in den Herbergen nachfragen soll, wo ich welche bekommen kann. Ich erfuhr auch, dass ich in Massagepraxen wahrscheinlich ebenfalls fündig werden würde. Insgeheim hoffe ich aber auch, dass ich vielleicht gar keine Lymphdrainagen brauchen würde. Durch das Laufen wird ja die Venenpumpe in den Beinen aktiviert, wodurch auch der Lymphfluss angeregt werden kann.
Während meiner Reise durfte ich feststellen, dass ich durch das tägliche Laufen tatsächlich weniger Probleme mit meiner Lymphe hatte, als erwartet. Ich hatte zwar trotzdem – wie immer – mit meinen schweren Beinen zu kämpfen, aber es ging. Vor allem, wenn ich meine Beine abends oder auch mal unterwegs etwas hochlegen konnte, war es aushaltbar.
Im Endeffekt würde ich sagen, taten mir eh die Füße mehr weh, als die Beine ;-)

Auf meiner Reise habe ich nur einmal eine Lymphdrainage in Sarria machen lassen. Ich habe für circa eine Stunde 35 Euro bezahlt, also doch mehr, als ich gedacht habe. Das könnte daran liegen, dass die zehn Euro auf eine kleine Massage bezogen waren.

Kann ich meine Sachen - und vor allem besonders wichtig - meine Kompressionsbestrumpfung regelmäßig waschen?
Zuerst wollte ich eine kleine Flasche Flüssigwaschmittel für die Handwäsche mitnehmen. Super wäre auch die kleine „Reisewaschmaschine“ (ok, eigentlich keine Maschine^^) namens Scrubba Wash Bag gewesen. Mit der habe ich sehr geliebäugelt, aber mich schreckte doch der Preis ab... Hier könnt ihr mal schauen, was das ist und wie es funktioniert: Hier klicken.
Vor der Abreise hatte ich mich gegen die mobile Waschmaschine und gegen extra Waschmittel entschieden. Hauptsächlich aus Gewichtsgründen. Stattdessen nahm ich ein kleines (!!!) Stück Kernseife mit und hoffte, dass es unterwegs genug Waschmaschinen geben würde.

Die Wäsche stellte sich Gott sei Dank als wenig problematisch heraus. In den vielen Herbergen auf dem Weg gibt es Waschmaschinen und oft auch Trockner. Nachdem ich das herausgefunden hatte, versuchte ich meine Herbergen so auszuwählen, dass ich jeden zweiten oder dritten Tag in so einer Herberge übernachtete. Dafür war die App „Camino Pilgrim“ recht praktisch, weil man dort auch Angaben zu Waschmöglichkeiten in den Herbergen findet.
Wenn ich mal keine Waschmaschine hatte, wusch ich zumindest meine Unterwäsche (ein paar wenige Male auch mehr) kurz mit der Hand und der Kernseife durch und lies sie über Nacht trocknen. Am Anfang klappte das Trocknen nicht so gut: ich musste erst lernen, wie man die Wäsche so auswringt, dass sie bis zum nächsten Morgen auch trocken wird. Und zwar zusätzlich noch in einem Handtuch eingedreht.
Bei diesem Video wird es so gezeigt, wie ich es auch gemacht habe. So ab der 4. Minute geht es los:

Was ich mich auch fragte, war, ob ich genug Strom für Handy und Tablet haben werde und was mit der Verfügbarkeit von Internet ist?
Schließlich wollte ich ja auch meinen Blog weiterführen!
Bei meiner Recherche habe ich immer wieder gelesen, dass es in den Herbergen so gut wie immer Strom und oft auch WLAN gibt. Ich beschloss vorsichtshalber einen Mehrfachstecker mitzunehmen und zusätzlich zur Überbrückung von Stromknappheit auch eine Powerbank einzustecken.
Da meine eigene Powerbank nicht so groß ist, hat mir mein bester Freund seine geliehen. Ich habe sie auch ein paar Mal unterwegs gebraucht. Meist für mein Handy und zwar an den Tagen, an denen ich den Akku durch viele Fotos oder Videoaufnahmen strapaziert habe.


Internet gab es tatsächlich in vielen Herbergen und auch in vielen Bars, Cafés und Restaurants. Auf meinem Weg kehrte ich mindestens einmal, oft sogar zwei- oder dreimal in Gaststätten ein und oft konnte ich dann das dortige WLAN nutzen. Die meisten privaten Herbergen und auch die Herbergen der Xunta (Gemeinden) hatten ebenfalls WLAN. Vor meiner Reise hatte ich außerdem bei meinem Handynetzanbieter nachgefragt und einen Auslandstarif für mich dazugebucht.



Ein großes Problem war mein Schuhwerk. Gute Schuhe zu finden ist für mich so immer schon nicht leicht, aber dann auch noch ordentliche Lauf- oder Wanderschuhe?! Ein Alptraum!
So war eine wichtige Frage, welche Schuhe ich mir kaufen würde und welche ich mitnehmen würde?
Ich brauche immer Schuhe mit guter Sohle und Dämpfungssystem. Nachdem ich mit meinen ASICS nicht klar gekommen bin, kaufte ich mir kurz vor Weihnachten ein Paar Salomon Wanderschuhe. Die empfand ich als ziemlich bequem und beschloss diese auch auf meiner Pilgerreise tragen. Ich wusste allerdings lange Zeit nicht, ob ich meine leichten Sommerlaufschuhe von ADIDAS noch mitnehmen sollte. Kurz vor der Abreise packte ich sie tatsächlich ein.
Schon nach ein paar Tagen war ich heilfroh, sie eingesteckt zu haben. Die Salomon sind zwar auch gepolstert, aber die ADIDAS sind zudem auch schön weich und flexibel und verschafften mir nach der sehr festen, unflexiblen Sohle von Salomon eine Wohltat für meine Füße!


Ein weiteres gesundheitliches Problem bei mir ist, dass ich dazu neige, mir einen "Wolf" zwischen den Beinen zu laufen. Auch im Intimbereich werde ich manchmal wund. Ich fragte mich, was ich dagegen bzw. vorbeugend tun kann?
Hier konnte ich vorher schon einige Sachen ausprobieren. Trotzdem hatte ich ein wenig Bedenken, da ich ja noch nie mehrere Tage am Stück unterwegs war.


Gut war, dass meine neue Kompressionsbestrumpfung sehr gut sitzt, auch zwischen den Beinen. Da sollte ich mich also wahrscheinlich nicht wund laufen.
Bei der anderen Bestrumpfung oder wenn ich mal keine trug, zog ich eine dünne Radlerhose drunter. Den Tipp bekam ich von meiner Physiotherapeutin während meiner Reha im Herbst 2016. Dort wurden ja jeden Tag meine Beine zur Entstauung gewickelt. Die Kanten der Bandagen führten bei mir auch dazu, dass ich wund wurde. Aber mit der Hose und entsprechender Hautpflege mit Penaten-Creme und bei Bedarf Multilind- und Bepanthen-Salbe, bekam ich das wieder hin. Genau diese Tipps und Kniffe habe ich auch auf meiner Reise genutzt und bin damit sehr gut gefahren. Ich habe mir schnell angewöhnt, bei Anzeichen vom Wolf zeitnah nachzuschauen und zu handeln. Dadurch hatte ich nur einmal einen echten Wolf und ansonsten war ich gar nicht bis sehr wenig wund!

Ein bisschen Angst hatte ich auch wegen der Sprache und dem Unbekannten. Schließlich war es meine erste längere Reise ins Ausland. Ich würde allein in einem unbekannten Land mit unbekannten Gebräuchen und einer fast unbekannten Sprache unterwegs sein! Holla!
Ich fragte mich also, wie ich in Spanien klarkommen würde?
Würde ich mein Englisch reichen? (Das ist recht gut.) Und wenn nicht, würde das bisschen Spanisch reichen, das ich mittlerweile konnte?
Ende Mai 2016 hatte ich eher aus Spaß angefangen, mit der App Duolingo Spanisch zu lernen. Zur Zeit der Abreise war ich laut dieser App bei 17 oder 18% Sprachbeherrschung – naja immerhin! Ich war froh, denn das war zumindest etwas! In einigen alltäglichen Situationen war es tatsächlich gut, wenigstens ein paar Wörter sprechen zu können: Ungeachtet jeder Grammatik! ;-)
Ich stellte fest, dass sich die Einheimischen freuen, wenn man sich etwas an ihrer Sprache versucht. Deshalb würde jedem empfehlen, vorher zumindest die wichtigen Floskeln (Begrüßung, Verabschiedung, Bitte, Danke usw.) zu lernen und auch mehr, wenn man Lust und Zeit dafür hat!
Tatsächlich sprach ich aber am häufigsten Englisch! Die meisten Pilger können nämlich Englisch und untereinander ist das deshalb sozusagen „die Sprache der Wahl“. Das ging sogar so weit, dass ich am 15. Tag anfing, in Englisch zu denken und zu Träumen! Ich traf übrigens auch viele deutschsprachige Pilger – hauptsächlich sehr junge Leute. Ich nehme mal an, dass das an den aktuellen Semesterferien lag.

Quellen​ der Bilder:
Fragen: https://pixabay.com/en/questions-board-blackboard-font-2212771/
Tür: https://pixabay.com/de/bolzen-vorh%C3%A4ngeschloss-sperre-1751089/
Medikamente: https://pixabay.com/de/drogen-medizin-medikamente-pillen-1728381
Massage: https://pixabay.com/de/entspannung-massage-erholung-684716/
Flagge: https://pixabay.com/de/spanien-flagge-fahne-banner-rot-1179106/