Mittwoch, 10. Mai 2017

Rückblick die 2. - Vom Suchen, Finden und Verlieren



Vor ziemlich genau sechs Wochen bin in Santiago angekommen. Zeit für noch ein Resümee! Und dieses Mal ist es ein sehr sehr Persönliches!

Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass ich nie wusste, WARUM genau ich diese Reise machen wollte? 
Dass es mich einfach schon jahrelang auf den Jakobsweg gezogen hat? Ich nur das Gefühl hatte, dass es WICHTIG oder VON BEDEUTUNG sein könnte?

Was ich auf meiner Pilgerreise gesucht habe, weiß ich also nicht so genau. Von meinen Tagestouren wusste ich, dass ich mich auf die Ruhe und die Natur freute. Aber das war ja wohl nicht alles?
Vielleicht suchte ich auch ein kleines Abenteuer? Auf jeden Fall war ich sehr neugierig! Okay, das bin ich normalerweise immer, aber dieses Mal war ich tatsächlich noch neugieriger als sonst. Immerhin war es mein erster längerer Auslandsaufenthalt und das dann auch noch allein in einem fremden Land mit einer Sprache, die ich nur wenig beherrschte. Sehr aufregend!

Bevor ich schreibe, was ich so alles gefunden habe, möchte ich erst einmal noch dazu etwas sagen, was ich verloren habe.
Als Erstes verlor ich auf dem Weg 5,3 Kilogramm Körpergewicht (und gewann einiges an Fitness). Darüber freute ich mich natürlich! Was ich auch verlor, waren zwei verschiedene Strümpfe und wahrscheinlich mein Taschenmesser. Ich hoffe allerdings immer noch, dass das Messer wieder auftaucht!

Es gibt auch Dinge, die ich nicht verlor, sondern verschenkte. Da wäre zum Beispiel meine Bauchtasche, die ich schon am dritten Tag an ein Verkehrsschild hinter Villafranca del Bierzo hängte und hoffte, dass jemand sie mehr gebrauchen könnte als ich.
Eine besonders schöne Erfahrung machte ich in Barbadelo: Hier traf ich eine Frau, die Probleme mit ihrer Haut und der Sonne hatte, aber kein Geld, sich einen Hut zu kaufen. Ihr vermachte ich am nächsten Morgen, bevor sie aufbrach recht kurzentschlossen mein Basecap. Ich war zwar ein wenig traurig, mein Souvenir aus dem zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart zu verlieren, aber mir war es wichtiger der Dame zu helfen. Sie war auch wirklich sehr dankbar und hat sich gefreut! Zum Ende hin habe ich zudem noch ein bisschen Kleinkram verschenkt.

Ja, und was habe ich gefunden?
Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass ich nichts gesucht habe.

Erstens wäre da wohl eine große Gelassenheit.
Am Anfang hatte ich solche Angst, keine Herberge zu finden oder wegen meiner vegetarischen Ernährung Probleme zu haben. Die Angst war am Anfang nicht groß, erreichte aber nach ein paar wenigen Tagen ihren Zenit… ich glaube in Trabadelo. Danach wurde es besser und spätestens in Portomarin war sie ganz verschwunden. Ich wusste einfach, wie der Weg „so tickt“ und wie ich mich bzgl. Essen und Schlafen verhalten konnte. Es war dann einfach kein Problem mehr.

Zum Zweiten erfuhr ich, was Freiheit bedeutet.
Allein unterwegs zu sein hat tatsächlich einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: Man tut genau das, was man möchte: Ich ging nur so weit und so schnell, wie ich wollte. Ich machte Pausen, wann ich wollte und solange ich wollte. Drückte der Schuh, konnte ich einfach anhalten und ihn richten, ohne die anderen zu bitten auf mich zu warten. Hatte ich Hunger, aß ich etwas. Hatte ich nach ein paar Kilometern keine Kraft mehr, musste ich mich nicht weiter quälen, als nötig. Ich konnte die nächste Herberge nehmen…
Es gab tatsächlich nur noch wenige Dinge, die einschränkend wirkten. Ich glaube das einzige, was mich wirklich hin und wieder nervte, war das frühe Check-Out in den Herbergen ;-)

Und Drittens Vertrauen und das Gefühl, beschützt zu sein.
Blasen an den Füßen, Bettwanzen, Lipödem-Schmerzen, blaue Flecken und Sonnenbrand… Auf dem Jakobsweg hat man immer so sein Päckchen zu tragen. Aber hey! Es ging immer weiter und keiner meiner Probleme oder Verletzungen führte dazu, dass ich abbrechen musste!
Am fünften Tag, nachdem mich der Schneesturm bei La Faba erwischt hatte, war ich ganz schön verzweifelt. Während meiner Zwangspause am nächsten Morgen besuchte ich die Kirche von O Cebreiro, wo ich  meine erste Kerze angezündete und für eine gute Reise betete. Ich wollte nicht aufgeben, denn ich wollte mir ja meinen Traum erfüllen!
Und schon am nächsten Tag wurde mir klar, dass ich genau das ja gerade tat! Dass ich hier gerade meinen größten Traum lebte! Auf dem Jakobsweg sein! Oh, wie dankbar ich war! Das war auf den Hügeln vor Triacastela und es fühlte sich nun auch das erste Mal so an, als ob meine Gebete tatsächlich erhört wurden… Und dass ich beschützt wurde!
Dieses Gefühl konnte ich mir die ganze Reise erhalten.



Jedes Mal, wenn ich eine schwierige Situation überstand oder eine tolle Aussicht genoss, schickte ich ein Dankgebet gen Himmel.
Meine Ängste schwanden und mein Vertrauen wuchs.

Heute schmunzele ich darüber, wenn ich darüber nachdenke, wovor ich alles Angst hatte und was für Bedenken ich so hatte!

Sonntag, 7. Mai 2017

Der Pilgerwagen auf schwierigen Wegen

Erfahrungen und Empfehlungen zu schwierigen Abschnitten mit dem Pilgerwagen


Hier habe ich für euch eine Übersicht zu den Teilen meines Weges (von Ponferrada bis Santiago de Compostela), bei denen ich Schwierigkeiten hatte und dazu ein paar Empfehlungen. Ich hoffe, ich kann euch damit vielleicht in Zukunft helfen :-) 

Ihr könnt euch die Tabelle auch hier als PDF herunterladen: Hier klicken

Wo?
Ungefähre Entfernung bis SdC
Wegbeschreibung
Zusätzliche Infos
Pieros bis Villafranca del Bierzo
189 -184
Nach Pieros gibt es verschiedene Möglichkeiten.
1)     kurz hinter Pieros rechts hoch, über die Weinberge und über Valtuille de Arriba (das war mein Weg), sehr steinig und hügelig.

Ich empfand ihn als sehr anstrengend. Alternativ gäbe es folgende Strecken:




2)     nach ca. 2 km auf der Hauptstraße entlang und dann rechts ein Stück über die Weinberge




3)     komplett über die Hauptstraße


Las Herrerías bis La Faba
163 - 159
Von Las Herrerías bis nach La Faba habe ich auf Empfehlung die Straße genommen, also den Weg für die Fahrradfahrer. Der eigentliche Pilgerweg soll recht anstrengend und unwegsam sein. Der Umweg machte ca. 1 km aus.
Eigentlich wollte ich noch bis O Cebreiro, aber für dieses Stück musste ich wegen Unwetter ein Taxi nehmen. Ich weiß also nicht, wie es zwischen La Faba und O Cebreiro aussieht.

Standort, wo sich der Fußweg und der Fahrradweg trennen: 42.677446, -7.000205
(O Cebreiro bzw.) Liñares bis zum Gipfel Alto San Roque
(155) 152 - 151
Am besten spätestens ab Liñares die Straße nehmen. Kurz vorm Gipfel Alto San Roque geht es ziemlich steil und steinig (loser Schotter) nach oben. Dank Hilfe beim Ziehen bin ich gut oben angekommen. Das nächste Mal würde ich aber die Straße nehmen.
Da der Jakobsweg immer recht nah an der Straße entlang geht, macht man keinen Umweg oder falls doch, nur einen sehr kleinen.
Ungefähre Koordinaten des steilen, unwegsamen Stückes: 42.698924, -7.082251
Hospital da Condesa bis Gipfel Alto de Poio
149 - 146
Hier wurde mir geraten, auch die Straße zu nehmen, was ich auch tat. Dabei musste ich nicht immer direkt auf der Straße laufen, sondern konnte oft den Randstreifen nutzen.
Die Wege sollen wohl ähnlich wie die auf der Etappe davor sein.

Fillobal bis Pasantes (kurz vor Triavastela)
138 - 136
Hier geht es recht steil bergab mit grobem Schotter und Geröll, teilweise auch viel losem Material. Es ist nicht anstrengend, aber man muss vorsichtig sein. Ich empfehle hier Wander- oder Trekkingstöcke zu benutzen oder den Wagen mit Rucksack per Rucksacktaxi oder Post aufzugeben.
Ungefährer Standort: 42.744711, -7.208904
O Vao (kurz hinter Teiguín bis Gorolfe
(zwischen Triacastela und Sarria)
125 -  122
Hier wurde mir gesagt, dass es über Samos mit dem Wagen einfacher sei. Die Strecke über San Xil kenne ich also nicht.
Über Samos war okay. Es gab allerdings ein paar schwierige Stellen:
1)     ein steiler Berg mit Wurzeln und großen Steinen, wo es anstrengend war,
2)     ein paar Stellen mit tiefen Schlamm und großen Pfützen (es hatte viel geregnet)
3)     ein kurzer und steiler Berg abwärts, wo ich wirklich Angst hatte zu stürzen. Ich würde das nächste Mal glaube die Straße nehmen auf der Tour.
Das war alles zwischen dem ganz kleinen Dorf O Vao (dort läuft der Weg nach rechts an der Meson Pontenova vorbei) und Gorolfe
Sarria – Vilei (Barbadelo)
112 - 113
Kurz nach Sarria gibt es einen kurzen Abschnitt, wo es steil bergauf durch einen Wald geht. Da ist es recht anstrengend, aber machbar.

Ungefährer Standort: 42.771524, -7.433906
Peruscallo bis Morgade (wahrscheinlich)
105
Hier gibt es eine kleine Steinbrücke, die zu schmal für den Wagen ist. Dort müsste man den Wagen entweder schultern oder wie ich um Hilfe fragen. Mir haben ein paar nette junge Männer meinen Wagen ein Stückchen getragen.


Vilachá bis Portomarín


94
Kurz vor Portomarin geht es ziemlich schnell bergab. Dafür gibt es kurz nach Vilachá drei Wege zur Auswahl. Die werden auf einem Schild an der Kreuzung erklärt. Ich habe den einfachsten genommen, der ging glaube geradeaus. Schaut da am besten auf die Karte, die dort steht – ich bin gut unten angekommen.
Ungefährer Standort: 42.796496, -7.609216
Brücke von Portomarín
93
Am Anfang und am Ende der Brücke ist der Abstand von Leitplanke und Brüstung zu schmal um mit dem Wagen durchzukommen. Entweder muss man ihn über die Leitplanke heben oder man lässt sich helfen. Ansonsten ist der Weg aber breit genug.


Ligonde bis Airexe
73
Kurz nach der Albergue de peregrinos Escuela de Ligonde gibt es einen engen Weg, der sehr unwegsam ist, da hab ich vorsichtshalber die Straße genommen. Der Umweg ist nur eine kleine Kurve.

Ungefährer Standort: 42.862112, -7.783115

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