Freitag, 9. Juni 2017

Rückblick die 3. - Von Problemen zu Lösungen


Bevor ich endlich meinen Weg gehen konnte, plagten mich viele Fragen und Sorgen

... denn ich musste ein paar mehr Dinge beachten, als gesunde Pilger es tun würden.
Welche Dinge das waren möchte ich euch hier zeigen. Das Gute war, dass ich die meisten Probleme vor meiner Reise lösen konnte und meine Sorgen am Ende meist unbegründet waren. Und selbst die Dinge, die ich im Vorfeld nicht sehen konnte, waren kein Weltuntergang für mich! Ich fand meinen eigenen Weg - auf meinem persönlichen Jakobsweg :-)

Die erste Frage, die ich mir stellte war nach dem Weg:
Welche Route wollte ich gehen? Und wie weit?
Für mich stand ganz zu Beginn nur fest, dass ich nicht extrem weit laufen wollte. Der bekannteste Startpunkt bei Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich, der nahe der spanischen Grenze liegt, kam mit seinen circa 800 Kilometer Länge nach Santiago de Compostela also nicht in Frage. Das war mir einfach zu viel. Außerdem führt die erste längere Etappe des „Camino Frances“ über die Pyrenäen, eine sehr anstrengende Strecke, die ich mir ehrlich gesagt nicht zutraute.
Ich entschied bald, dass ich circa 200 bis maximal 250 Kilometer laufen wollte. Doch die Frage war immer noch, welchen Weg ich nehmen sollte.
Bei meiner Recherche stieß ich neben dem „klassischen“ Jakobsweg („Camino Frances“) auch auf die nicht so bekannten Wege: den "Caminho Portugues" (der portugiesische Weg), den "Camino del Norte" (Küstenweg), den "Camino Primitivo" und den "Via de la Plata". Auf der Seite von www.Jakobsweg.de fand ich einen Vergleich dieser Wege und kam damit meiner Entscheidung etwas näher. Denn hier war auch der Schwierigkeitsgrad der Wege beschrieben. 
Ich wollte gern einen leichten, maximal mittelschweren Weg nehmen. Neben dem bekanntesten „Camino de Frances“ rückte der portugiesische Weg in meinen Fokus. Dieser liegt – je nachdem welche Wegvariante man nimmt – zum (großen) Teil an der Küste. Dadurch hat er nicht so viele Höhenmeter und soll sich recht angenehm laufen lassen. Ich hätte hier ab Porto starten können, was circa 240 Kilometer gewesen wären.
Aber ich entschied mich gegen den „Caminho Portugues“ aus zwei Gründen:
Erstens ist hier die Herbergsdichte nicht so groß, wie auf dem "Camino Frances". Für jemanden wie mich, der nicht so weit laufen kann, ist das nicht so gut. Aus diesem Grund hätte ich wahrscheinlich häufiger auf Hotels oder Pensionen zurückgreifen müssen, was für meine studentische Reisekasse ebenfalls sehr schlecht gewesen wäre. Der zweite Grund war die etwas schlechtere Infrastruktur. Da ich annahm, dass ich Lymphdrainagen brauchen würde, machte das ebenfalls ein Minuspunkt aus.



Meinen endgültigen Startpunkt in der Stadt Ponferrada fand ich durch weitere Recherche. Am Anfang wollte ich ab Leon gehen, fand aber schnell heraus, dass es ab dort rund 310 Kilometer waren – so viel wollte ich dann doch nicht laufen! Ich überlegte eine Weile und schaute nach, wie ich am besten mit Flugzeug, Bus und Bahn zu möglichen Startpunkten kommen würde und entschied mich dann für Ponferrada, einer Kleinstadt circa 210 Kilometer von Santiago entfernt. Was auch für Ponferrada sprach, war der Rat eines Bekannten: Er empfahl mir, den Weg hinunter in den Talkessel von Ponferrada nicht zu laufen, weil er für meinen Pilgerwagen wohl nicht so geeignet wäre. Ich lernte allerdings nach meiner Reise eine Frau kennen, die auch dieses Stück bewältigen konnte. Trotzdem war ich froh, diese Empfehlung bekommen zu haben und bereute meine Entscheidung dazu nie.

Was ich allerdings nicht ahnte, war die Problematik der Nebensaison am Jakobsweg. Ich hatte gesehen, dass die meisten Herbergen am "Camino Frances" im März aufmachten, einige hatten auch ganzjährig auf und einige andere machten erst im April oder zu Ostern auf. Doch das bereitete mir vor meiner Reise keine Sorgen.
Als ich dann auf dem Weg war, stellte ich schnell fest, dass viele Herbergen doch noch geschlossen waren. Oft hatte dann auch noch genau die geschlossen, wo ich übernachten wollte. Mist!
Es passierte mir mehrmals, dass ich weiter laufen musste, als ich eigentlich wollte. Zum Beispiel am dritten Tag hatte ich in Trabadelo erst bei der vierten Unterkunft Glück. In La Faba hatten weder Herbergen, noch Gaststätten auf – und das bei Schneesturm! Am Tag, an dem ich nach Triacastela wanderte, war ich Gott sei Dank gut drauf, weil ich wegen einer geschlossenen Herberge noch gut fünf Kilometer weiter laufen musste als geplant. Ein paar Kilometer nach Sarria habe ich ebenfalls zwei Dörfer weiter laufen müssen, obwohl ich eigentlich nicht mehr weiter wollte, weil ich so geschafft war.
An dieser Stelle fand ich dann heraus, dass die Herbergen der Gemeinden in Galizien (Xunta) wohl immer und der Kirchen meistens ganzjährig auf hatten. So änderte ich ab Tag 12 meine Herangehensweise und suchte zuerst meine Wunsch-Herberge auf (falls es die gab) und wenn die geschlossen hatte, steuerte ich direkt die nächste Herberge der Gemeinde oder Kirche an. Diese Strategie behielt ich vor allem in den kleinen Orten und Dörfern bei und machte damit gute Erfahrungen.

Worüber ich mir vor meiner Reise auch kaum Gedanken machte, war meine Ernährung. Ich bin ja Vegetarierin, esse also kein Fleisch und kein Fisch.
Im Vorfeld hatte ich schon mal gehört, dass es nicht so einfach war, als Veganer oder Vegetarier den Jakobsweg zu gehen. Deshalb informierte ich mich ein wenig über vegetarische Gerichte, machte mir aber nicht extrem große Sorgen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es auf den Speisekarten keine vegetarischen Gerichte geben würde.
Doch schon am zweiten Tag wurde ich eines Besseren belehrt. Die Spanier essen nämlich sehr gern und viel Fleisch und Fisch. Vegetarier sind ihnen suspekt, denn wer in Spanien kein Fleisch mag, isst normalerweise wenigstens Fisch. Deshalb sollte man beim „Vegetarischen Salat“ gut aufpassen, weil der zu einer großen Wahrscheinlichkeit mit Thunfisch sein wird.
So langsam dämmerte mir, dass mein Speiseplan nicht so abwechslungsreich sein würde: Schlussendlich bestand er hauptsächlich aus Spiegeleiern mit Pommes und Spanischem Omlett (= Eier und Kartoffeln, manchmal mit Zwiebeln). 

Zum Ende hin kam noch Caldo, ein Eintopf aus Kartoffeln, Kohl und Bohnen dazu. Ein paar Mal habe ich auch gut gegessen, aber das war eher die Ausnahme,wie hier zum Beispiel (Vegetarisches Tahini).
Nach circa einer Woche fing ich an, immer etwas Proviant mit mir zu führen. Neben den mitgebrachten Müsliriegeln kamen nun auch Nüsse und etwas Obst dazu. Hin und wieder war auch etwas Brot dabei. Das war gut, weil wegen der Nebensaison auch noch viele Gaststätten geschlossen waren und ich manchmal unterwegs ganz schön Hunger bekam.
Nur das Frühstück war unproblematisch, denn da gibt es in Spanien entweder geröstetes Brot mit Marmelade oder Croissants. Dazu Milchkaffee oder Kakao. Alles vegetarisch!

Zu meiner Krankheit (Lipödeme) gehört auch das Symptom der kalten Haut an den betroffenen Stellen. Meine Arme bis hoch zu den Schultern, meine Beine und mein Po sind oft so kalt, dass ich abends nicht einschlafen kann. Besonders schlimm ist, dass diese Kälte nicht einfach durch Bewegung verschwinden kann.
So fragte ich mich, wie ich mit dieser Kälte klarkommen sollte? Und wie ich abends in den Herbergen wieder warm werde würde?
Dieses Problem machte mir sehr zu schaffen. Ich spielte die verschiedensten Möglichkeiten durch:

1) Eine Heizdecke, so wie ich sie zu Hause benutzte mitnehmen – leider sehr groß und schwer!
oder
Ein Heizkissen – um einiges kleiner als die Decke und circa 370 Gramm schwer.
Problem: Werde ich immer Strom haben?

2) Eine Wärmflasche – leider auch nicht so leicht mit 400 bis 500 Gramm.
Problem: Gibt es in den Herbergen immer einen Wasserkocher oder eine Küche mit Ausstattung?

3) Alternative zur Wärmflasche:
Ich experimentierte mit flexiblen Wasserbehältern mit Schraubverschluss, die ich mit heißem Wasser füllen und ähnlich wie Wärmflaschen nutzen könnte.

4) Gelkissen, die man mit dem Knicken eines Metallplättchens aktiviert und die dann durch eine chemische Reaktion eine Zeit lang Wärme spenden.
Von diesen Kissen besitze ich zwei Große - leider sind die mit nicht ganz 1 Kilogramm auch wieder recht schwer. Die kleine Version als Handwärmer wäre eine weitere Möglichkeit – Gewicht circa 100 Gramm pro Stück.

Nach vielem Hin und Her habe mich dafür entschieden, mein Heizkissen mitzunehmen sowie drei meiner kleinen Faltflaschen. Da ich diese sowieso ganz normal für mein Trinkwasser nutzen wollte, störten sie nicht und im Notfall könnte ich sie auch wie Wärmflaschen nutzen. Außerdem nahm ich zwei dieser kleinen Gel-Kissen (Handwärmer) zum Knicken mit. Sie waren sozusagen meine SOS-Notfall-Wärmequelle.

Mein Heizkissen hatte ich außer an zwei Tagen immer in Gebrauch. Ich brauchte es tatsächlich. Meine Angst, kein Strom zu haben, war Gott sei Dank nicht wirklich berechtigt. In den meisten Herbergen gab es am Bett oder zumindest in deren Nähe eine Steckdose. Da ich auch einen Mehrfachstecker für die Steckdosen mit hatte, musste ich mich nie mit einem anderen Pilger streiten.
Bei meiner Bett-Wahl schaute ich allerdings schon immer zuerst, wo denn die Steckdosen waren. Dadurch, dass im März noch nicht so viele Pilger unterwegs waren, hatte ich erfreulicherweise selten Probleme, ein Bett in der Nähe einer Steckdose zu bekommen.


Das nächste Problem, was mich beschäftigte, waren meine Medikamente.
Welche Medikamente brauche ich auf der Reise? Muss ich evtl. einen Nachweis dabeihaben, falls es Probleme beim Zoll oder so gibt?
Ich habe vor meiner Reise mit meiner Hausärztin besprochen, dass sie mir eine Liste mit meinen Medikamenten ausfüllt und unterschreibt. Im Internet war ich dazu recht schnell fündig geworden: Auf der Homepage des ADAC gibt es so eine vorgefertigte Liste, auf der alles in vier Sprachen geschrieben ist – darunter auch in Spanisch.
Mit meinen Medikamenten gab es nie Probleme an den Flughäfen oder anderswo.

Neben meinen verschreibungspflichtigen Medikamenten überlegte ich lange, welche anderen Medikamente und Pflegeprodukte ich noch mitnehmen sollte. Relativ früh machte ich mir eine Liste von den Dingen, die ich mitnehmen wollte. Ich besorgte mir bis circa zwei Wochen vor Start alles, sortierte aber dann bestimmt noch zehn Mal um und aus. So ähnlich erging es mir mit vielen Dingen auf meiner Packliste, z.B. auch mit meinen Klamotten.
Am Ende versuchte ich zwar minimalistisch zu denken, stellte aber fest, dass ich wegen meiner Erkrankungen auf vieles einfach nicht verzichten konnte oder es mir nicht traute. Ein Beispiel hierfür waren die verschiedenen Cremes zur Vorbeugung und Behandlung von wunden Stellen, die sich bei mir oft bilden.
Bei einigen Dingen reduzierte ich zumindest die Verpackung oder nahm eine kleinere „Portion“ mit.

Die meisten Dinge, die ich mitnahm, brauchte ich tatsächlich auch. Gott sei Dank benötigte ich nicht alle Medikamente, aber ich würde wohl wieder eine ähnliche Auswahl an Medikamenten und Pflegeprodukten mitnehmen.


Ein anderes Problem war der Transport von meinen Pilgerwagen. Ich fragte mich, wie ich ihn transportiert bekomme? Und ob ich Probleme mit der Fluggesellschaft bekommen könnte wegen Größe und Gewicht?
Ich machte mir hierfür am Anfang viele Gedanken. Nach einer Weile beschloss ich, einfach bei der Fluggesellschaft nachzufragen. Als feststand, dass ich mit Ryanair fliegen würde, nutzte ich den Chat auf deren Internetseite dafür. So erfuhr ich, dass ich den Pilgerwagen (mit Rucksack darauf) am besten per Sportgepäck aufgeben sollte. Dies kostet 30 Euro mit einem Maximalgewicht von 20 Kilogramm.
So beschloss ich, dem Rat zu folgen und meinen Rucksack mit dem Wagen noch etwas mit Folie zu Umwickeln. Leider dachte ich nur auf dem Hinweg daran. Auf dem Rückflug ist zwar nichts kaputtgegangen, aber mein Rucksack war doch etwas schmutzig und die Riemen, die den Rucksack am Wagen halten, waren stark verrutscht.
Die Zugstangen und meine Trekkingstöcke hatte ich übrigens in meinen Rucksack verstaut.


Bezüglich meiner Lipödeme machte mir noch eine Sache sehr zu schaffen:
Kann ich unterwegs Lymphdrainage bekommen? (Wenn ja, wie?)
Normalerweise bekomme ich zu Hause zwei Mal pro Woche eine Stunde Lymphdrainage und ich war der Überzeugung, dass ich das in Spanien zumindest ansatzweise fortführen müsste.
Mit meiner Recherche im Internet bin ich dazu tatsächlich nicht weitergekommen. Deshalb habe ich versucht, dazu etwas über ein paar Facebookgruppen und ein paar meiner Freunde herauszufinden, die schon mal in Spanien waren oder jemanden kennen, der das wissen könnte.
Nach einer Weile habe ich dadurch erfahren, dass Lymphdrainagen mit circa 10 € in Spanien relativ günstig sind und ich in den Herbergen nachfragen soll, wo ich welche bekommen kann. Ich erfuhr auch, dass ich in Massagepraxen wahrscheinlich ebenfalls fündig werden würde. Insgeheim hoffe ich aber auch, dass ich vielleicht gar keine Lymphdrainagen brauchen würde. Durch das Laufen wird ja die Venenpumpe in den Beinen aktiviert, wodurch auch der Lymphfluss angeregt werden kann.
Während meiner Reise durfte ich feststellen, dass ich durch das tägliche Laufen tatsächlich weniger Probleme mit meiner Lymphe hatte, als erwartet. Ich hatte zwar trotzdem – wie immer – mit meinen schweren Beinen zu kämpfen, aber es ging. Vor allem, wenn ich meine Beine abends oder auch mal unterwegs etwas hochlegen konnte, war es aushaltbar.
Im Endeffekt würde ich sagen, taten mir die Füße insgesamt mehr weh, als die Beine ;-)

Auf meiner Reise habe ich nur einmal eine Lymphdrainage in Sarria machen lassen. Ich habe für circa eine Stunde 35 Euro bezahlt, also doch mehr, als ich gedacht habe. Das könnte daran liegen, dass die zehn Euro auf eine kleine Massage bezogen waren.

Kann ich meine Sachen - und vor allem besonders wichtig - meine Kompressionsbestrumpfung regelmäßig waschen?
Zuerst wollte ich eine kleine Flasche Flüssigwaschmittel für die Handwäsche mitnehmen. Super wäre auch die kleine „Reisewaschmaschine“ (ok, eigentlich keine Maschine^^) namens Scrubba Wash Bag gewesen. Mit der habe ich sehr geliebäugelt, aber mich schreckte doch der Preis ab... Hier könnt ihr mal schauen, was das ist und wie es funktioniert: Hier klicken.
Vor der Abreise hatte ich mich gegen die mobile Waschmaschine und gegen extra Waschmittel entschieden. Hauptsächlich aus Gewichtsgründen. Stattdessen nahm ich ein kleines (!!!) Stück Kernseife mit und hoffte, dass es unterwegs genug Waschmaschinen geben würde.

Die Wäsche stellte sich Gott sei Dank als wenig problematisch heraus. In den vielen Herbergen auf dem Weg gibt es Waschmaschinen und oft auch Trockner. Nachdem ich das herausgefunden hatte, versuchte ich meine Herbergen so auszuwählen, dass ich jeden zweiten oder dritten Tag in so einer Herberge übernachtete. Dafür war die App „Camino Pilgrim“ recht praktisch, weil man dort auch Angaben zu Waschmöglichkeiten in den Herbergen findet.
Wenn ich mal keine Waschmaschine hatte, wusch ich zumindest meine Unterwäsche (ein paar wenige Male auch mehr) kurz mit der Hand und der Kernseife durch und lies sie über Nacht trocknen. Am Anfang klappte das Trocknen nicht so gut: ich musste erst lernen, wie man die Wäsche so auswringt, dass sie bis zum nächsten Morgen auch trocken wird. Und zwar zusätzlich noch in einem Handtuch eingedreht.
Bei diesem Video wird es so gezeigt, wie ich es auch gemacht habe. So ab der 4. Minute geht es los:

Was ich mich auch fragte, war, ob ich genug Strom für Handy und Tablet haben werde und was mit der Verfügbarkeit von Internet ist?
Schließlich wollte ich ja auch meinen Blog weiterführen!
Bei meiner Recherche habe ich immer wieder gelesen, dass es in den Herbergen so gut wie immer Strom und oft auch WLAN gibt. Ich beschloss vorsichtshalber einen Mehrfachstecker mitzunehmen und zusätzlich zur Überbrückung von Stromknappheit auch eine Powerbank einzustecken.
Da meine eigene Powerbank nicht so groß ist, hat mir mein bester Freund seine geliehen. Ich habe sie auch ein paar Mal unterwegs gebraucht. Meist für mein Handy und zwar an den Tagen, an denen ich den Akku durch viele Fotos oder Videoaufnahmen strapaziert habe.


Internet gab es tatsächlich in vielen Herbergen und auch in vielen Bars, Cafés und Restaurants. Auf meinem Weg kehrte ich mindestens einmal, oft sogar zwei- oder dreimal in Gaststätten ein und oft konnte ich dann das dortige WLAN nutzen. Die meisten privaten Herbergen und auch die Herbergen der Xunta (Gemeinden) hatten ebenfalls WLAN. Vor meiner Reise hatte ich außerdem bei meinem Handynetzanbieter nachgefragt und einen Auslandstarif für mich dazugebucht.



Ein großes Problem war mein Schuhwerk. Gute Schuhe zu finden ist für mich so immer schon nicht leicht, aber dann auch noch ordentliche Lauf- oder Wanderschuhe?! Ein Alptraum!
So war eine wichtige Frage, welche Schuhe ich mir kaufen würde und welche ich mitnehmen würde?
Ich brauche immer Schuhe mit guter Sohle und Dämpfungssystem. Nachdem ich mit meinen ASICS nicht klar gekommen bin, kaufte ich mir kurz vor Weihnachten ein Paar Salomon Wanderschuhe. Die empfand ich als ziemlich bequem und beschloss diese auch auf meiner Pilgerreise tragen. Ich wusste allerdings lange Zeit nicht, ob ich meine leichten Sommerlaufschuhe von ADIDAS noch mitnehmen sollte. Kurz vor der Abreise packte ich sie tatsächlich ein.
Schon nach ein paar Tagen war ich heilfroh, sie eingesteckt zu haben. Die Salomon sind zwar auch gepolstert, aber die ADIDAS sind zudem auch schön weich und flexibel und verschafften mir nach der sehr festen, unflexiblen Sohle von Salomon eine Wohltat für meine Füße!


Ein weiteres gesundheitliches Problem bei mir ist, dass ich dazu neige, mir einen "Wolf" zwischen den Beinen zu laufen. Auch im Intimbereich werde ich manchmal wund. Ich fragte mich, was ich dagegen bzw. vorbeugend tun kann?
Hier konnte ich vorher schon einige Sachen ausprobieren. Trotzdem hatte ich ein wenig Bedenken, da ich ja noch nie mehrere Tage am Stück unterwegs war.


Gut war, dass meine neue Kompressionsbestrumpfung sehr gut sitzt, auch zwischen den Beinen. Da sollte ich mich also wahrscheinlich nicht wund laufen.
Bei der anderen Bestrumpfung oder wenn ich mal keine trug, zog ich eine dünne Radlerhose drunter. Den Tipp bekam ich von meiner Physiotherapeutin während meiner Reha im Herbst 2016. Dort wurden ja jeden Tag meine Beine zur Entstauung gewickelt. Die Kanten der Bandagen führten bei mir auch dazu, dass ich wund wurde. Aber mit der Hose und entsprechender Hautpflege mit Penaten-Creme und bei Bedarf Multilind- und Bepanthen-Salbe, bekam ich das wieder hin. Genau diese Tipps und Kniffe habe ich auch auf meiner Reise genutzt und bin damit sehr gut gefahren. Ich habe mir schnell angewöhnt, bei Anzeichen vom Wolf zeitnah nachzuschauen und zu handeln. Dadurch hatte ich nur einmal einen echten Wolf und ansonsten war ich gar nicht bis sehr wenig wund!


Ein bisschen Angst hatte ich auch wegen der Sprache und dem Unbekannten. Schließlich war es meine erste längere Reise ins Ausland. Ich würde allein in einem unbekannten Land mit unbekannten Gebräuchen und einer fast unbekannten Sprache unterwegs sein! Holla!
Ich fragte mich also, wie ich in Spanien klarkommen würde?
Würde ich mein Englisch reichen? (Das ist recht gut.) Und wenn nicht, würde das bisschen Spanisch reichen, das ich mittlerweile konnte?
Ende Mai 2016 hatte ich eher aus Spaß angefangen, mit der App Duolingo Spanisch zu lernen. Zur Zeit der Abreise war ich laut dieser App bei 17 oder 18% Sprachbeherrschung – naja immerhin! Ich war froh, denn das war zumindest etwas! In einigen alltäglichen Situationen war es tatsächlich gut, wenigstens ein paar Wörter sprechen zu können: Ungeachtet jeder Grammatik! ;-)
Ich stellte fest, dass sich die Einheimischen freuen, wenn man sich etwas an ihrer Sprache versucht. Deshalb würde jedem empfehlen, vorher zumindest die wichtigen Floskeln (Begrüßung, Verabschiedung, Bitte, Danke usw.) zu lernen und auch mehr, wenn man Lust und Zeit dafür hat!
Tatsächlich sprach ich aber am häufigsten Englisch! Die meisten Pilger können nämlich Englisch und untereinander ist das deshalb sozusagen „die Sprache der Wahl“. Das ging sogar so weit, dass ich am 15. Tag anfing, in Englisch zu denken und zu Träumen! Ich traf übrigens auch viele deutschsprachige Pilger – hauptsächlich sehr junge Leute. Ich nehme mal an, dass das an den aktuellen Semesterferien lag.


Quellen​ der Bilder:
Fragen: https://pixabay.com/en/questions-board-blackboard-font-2212771/
Tür: https://pixabay.com/de/bolzen-vorh%C3%A4ngeschloss-sperre-1751089/
Medikamente: https://pixabay.com/de/drogen-medizin-medikamente-pillen-1728381
Massage: https://pixabay.com/de/entspannung-massage-erholung-684716/
Flagge: https://pixabay.com/de/spanien-flagge-fahne-banner-rot-1179106/

Mittwoch, 10. Mai 2017

Rückblick die 2. - Vom Suchen, Finden und Verlieren



Vor ziemlich genau sechs Wochen bin in Santiago angekommen. Zeit für noch ein Resümee! Und dieses Mal ist es ein sehr sehr Persönliches!

Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass ich nie wusste, WARUM genau ich diese Reise machen wollte? 
Dass es mich einfach schon jahrelang auf den Jakobsweg gezogen hat? Ich nur das Gefühl hatte, dass es WICHTIG oder VON BEDEUTUNG sein könnte?

Was ich auf meiner Pilgerreise gesucht habe, weiß ich also nicht so genau. Von meinen Tagestouren wusste ich, dass ich mich auf die Ruhe und die Natur freute. Aber das war ja wohl nicht alles?
Vielleicht suchte ich auch ein kleines Abenteuer? Auf jeden Fall war ich sehr neugierig! Okay, das bin ich normalerweise immer, aber dieses Mal war ich tatsächlich noch neugieriger als sonst. Immerhin war es mein erster längerer Auslandsaufenthalt und das dann auch noch allein in einem fremden Land mit einer Sprache, die ich nur wenig beherrschte. Sehr aufregend!

Bevor ich schreibe, was ich so alles gefunden habe, möchte ich erst einmal noch dazu etwas sagen, was ich verloren habe.
Als Erstes verlor ich auf dem Weg 5,3 Kilogramm Körpergewicht (und gewann einiges an Fitness). Darüber freute ich mich natürlich! Was ich auch verlor, waren zwei verschiedene Strümpfe und wahrscheinlich mein Taschenmesser. Ich hoffe allerdings immer noch, dass das Messer wieder auftaucht! (Ist es, aber tatsächlich erst während meines Umzugs 2018.)

Es gibt auch Dinge, die ich nicht verlor, sondern verschenkte. Da wäre zum Beispiel meine Bauchtasche, die ich schon am dritten Tag an ein Verkehrsschild hinter Villafranca del Bierzo hängte und hoffte, dass jemand sie mehr gebrauchen könnte als ich.
Eine besonders schöne Erfahrung machte ich in Barbadelo: Hier traf ich eine Frau, die Probleme mit ihrer Haut und der Sonne hatte, aber kein Geld, sich einen Hut zu kaufen. Ihr vermachte ich am nächsten Morgen, bevor sie aufbrach recht kurzentschlossen mein Basecap. Ich war zwar ein wenig traurig, mein Souvenir aus dem zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart zu verlieren, aber mir war es wichtiger der Dame zu helfen. Sie war auch wirklich sehr dankbar und hat sich gefreut! Zum Ende hin habe ich zudem noch ein bisschen Kleinkram verschenkt.

Ja, und was habe ich gefunden?
Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass ich nichts gesucht habe.

Erstens wäre da wohl eine große Gelassenheit.
Am Anfang hatte ich solche Angst, keine Herberge zu finden oder wegen meiner vegetarischen Ernährung Probleme zu haben. Die Angst war am Anfang nicht groß, erreichte aber nach ein paar wenigen Tagen ihren Zenit… ich glaube in Trabadelo. Danach wurde es besser und spätestens in Portomarin war sie ganz verschwunden. Ich wusste einfach, wie der Weg „so tickt“ und wie ich mich bzgl. Essen und Schlafen verhalten konnte. Es war dann einfach kein Problem mehr.

Zum Zweiten erfuhr ich, was Freiheit bedeutet.
Allein unterwegs zu sein hat tatsächlich einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: Man tut genau das, was man möchte: Ich ging nur so weit und so schnell, wie ich wollte. Ich machte Pausen, wann ich wollte und solange ich wollte. Drückte der Schuh, konnte ich einfach anhalten und ihn richten, ohne die anderen zu bitten auf mich zu warten. Hatte ich Hunger, aß ich etwas. Hatte ich nach ein paar Kilometern keine Kraft mehr, musste ich mich nicht weiter quälen, als nötig. Ich konnte die nächste Herberge nehmen…
Es gab tatsächlich nur noch wenige Dinge, die einschränkend wirkten. Ich glaube das einzige, was mich wirklich hin und wieder nervte, war das frühe Check-Out in den Herbergen ;-)

Und Drittens Vertrauen und das Gefühl, beschützt zu sein.
Blasen an den Füßen, Bettwanzen, Lipödem-Schmerzen, blaue Flecken und Sonnenbrand… Auf dem Jakobsweg hat man immer so sein Päckchen zu tragen. Aber hey! Es ging immer weiter und keiner meiner Probleme oder Verletzungen führte dazu, dass ich abbrechen musste!
Am fünften Tag, nachdem mich der Schneesturm bei La Faba erwischt hatte, war ich ganz schön verzweifelt. Während meiner Zwangspause am nächsten Morgen besuchte ich die Kirche von O Cebreiro, wo ich meine erste Kerze angezündete und für eine gute Reise betete. Ich wollte nicht aufgeben, denn ich wollte mir ja meinen Traum erfüllen!
Und schon am nächsten Tag wurde mir klar, dass ich genau das ja gerade tat! Dass ich hier gerade meinen größten Traum lebte! Auf dem Jakobsweg sein! Oh, wie dankbar ich war! Das war auf den Hügeln vor Triacastela und es fühlte sich nun auch das erste Mal so an, als ob meine Gebete tatsächlich erhört wurden… Und dass ich beschützt wurde!
Dieses Gefühl konnte ich mir die ganze Reise erhalten.



Jedes Mal, wenn ich eine schwierige Situation überstand oder eine tolle Aussicht genoss, schickte ich ein Dankgebet gen Himmel.
Meine Ängste schwanden und mein Vertrauen wuchs.


Heute schmunzele ich darüber, wenn ich darüber nachdenke, wovor ich alles Angst hatte und was für Bedenken ich so hatte!

Sonntag, 7. Mai 2017

Der Pilgerwagen auf schwierigen Wegen

Erfahrungen und Empfehlungen zu schwierigen Abschnitten mit dem Pilgerwagen


Hier habe ich für euch eine Übersicht zu den Teilen meines Weges (von Ponferrada bis Santiago de Compostela), bei denen ich Schwierigkeiten hatte und dazu ein paar Empfehlungen. Ich hoffe, ich kann euch damit vielleicht in Zukunft helfen :-) 

Ihr könnt euch die Tabelle auch hier als PDF herunterladen: Hier klicken

Wo?
Ungefähre Entfernung bis SdC
Wegbeschreibung
Zusätzliche Infos
Pieros bis Villafranca del Bierzo
189 -184
Nach Pieros gibt es verschiedene Möglichkeiten.
1)     kurz hinter Pieros rechts hoch, über die Weinberge und über Valtuille de Arriba (das war mein Weg), sehr steinig und hügelig.

Ich empfand ihn als sehr anstrengend. Alternativ gäbe es folgende Strecken:




2)     nach ca. 2 km auf der Hauptstraße entlang und dann rechts ein Stück über die Weinberge




3)     komplett über die Hauptstraße


Las Herrerías bis La Faba
163 - 159
Von Las Herrerías bis nach La Faba habe ich auf Empfehlung die Straße genommen, also den Weg für die Fahrradfahrer. Der eigentliche Pilgerweg soll recht anstrengend und unwegsam sein. Der Umweg machte ca. 1 km aus.
Eigentlich wollte ich noch bis O Cebreiro, aber für dieses Stück musste ich wegen Unwetter ein Taxi nehmen. Ich weiß also nicht, wie es zwischen La Faba und O Cebreiro aussieht.

Standort, wo sich der Fußweg und der Fahrradweg trennen: 42.677446, -7.000205
(O Cebreiro bzw.) Liñares bis zum Gipfel Alto San Roque
(155) 152 - 151
Am besten spätestens ab Liñares die Straße nehmen. Kurz vorm Gipfel Alto San Roque geht es ziemlich steil und steinig (loser Schotter) nach oben. Dank Hilfe beim Ziehen bin ich gut oben angekommen. Das nächste Mal würde ich aber die Straße nehmen.
Da der Jakobsweg immer recht nah an der Straße entlang geht, macht man keinen Umweg oder falls doch, nur einen sehr kleinen.
Ungefähre Koordinaten des steilen, unwegsamen Stückes: 42.698924, -7.082251
Hospital da Condesa bis Gipfel Alto de Poio
149 - 146
Hier wurde mir geraten, auch die Straße zu nehmen, was ich auch tat. Dabei musste ich nicht immer direkt auf der Straße laufen, sondern konnte oft den Randstreifen nutzen.
Die Wege sollen wohl ähnlich wie die auf der Etappe davor sein.

Fillobal bis Pasantes (kurz vor Triavastela)
138 - 136
Hier geht es recht steil bergab mit grobem Schotter und Geröll, teilweise auch viel losem Material. Es ist nicht anstrengend, aber man muss vorsichtig sein. Ich empfehle hier Wander- oder Trekkingstöcke zu benutzen oder den Wagen mit Rucksack per Rucksacktaxi oder Post aufzugeben.
Ungefährer Standort: 42.744711, -7.208904
O Vao (kurz hinter Teiguín bis Gorolfe
(zwischen Triacastela und Sarria)
125 -  122
Hier wurde mir gesagt, dass es über Samos mit dem Wagen einfacher sei. Die Strecke über San Xil kenne ich also nicht.
Über Samos war okay. Es gab allerdings ein paar schwierige Stellen:
1)     ein steiler Berg mit Wurzeln und großen Steinen, wo es anstrengend war,
2)     ein paar Stellen mit tiefen Schlamm und großen Pfützen (es hatte viel geregnet)
3)     ein kurzer und steiler Berg abwärts, wo ich wirklich Angst hatte zu stürzen. Ich würde das nächste Mal glaube die Straße nehmen auf der Tour.
Das war alles zwischen dem ganz kleinen Dorf O Vao (dort läuft der Weg nach rechts an der Meson Pontenova vorbei) und Gorolfe
Sarria – Vilei (Barbadelo)
112 - 113
Kurz nach Sarria gibt es einen kurzen Abschnitt, wo es steil bergauf durch einen Wald geht. Da ist es recht anstrengend, aber machbar.

Ungefährer Standort: 42.771524, -7.433906
Peruscallo bis Morgade (wahrscheinlich)
105
Hier gibt es eine kleine Steinbrücke, die zu schmal für den Wagen ist. Dort müsste man den Wagen entweder schultern oder wie ich um Hilfe fragen. Mir haben ein paar nette junge Männer meinen Wagen ein Stückchen getragen.


Vilachá bis Portomarín


94
Kurz vor Portomarin geht es ziemlich schnell bergab. Dafür gibt es kurz nach Vilachá drei Wege zur Auswahl. Die werden auf einem Schild an der Kreuzung erklärt. Ich habe den einfachsten genommen, der ging glaube geradeaus. Schaut da am besten auf die Karte, die dort steht – ich bin gut unten angekommen.
Ungefährer Standort: 42.796496, -7.609216
Brücke von Portomarín
93
Am Anfang und am Ende der Brücke ist der Abstand von Leitplanke und Brüstung zu schmal um mit dem Wagen durchzukommen. Entweder muss man ihn über die Leitplanke heben oder man lässt sich helfen. Ansonsten ist der Weg aber breit genug.


Ligonde bis Airexe
73
Kurz nach der Albergue de peregrinos Escuela de Ligonde gibt es einen engen Weg, der sehr unwegsam ist, da hab ich vorsichtshalber die Straße genommen. Der Umweg ist nur eine kleine Kurve.

Ungefährer Standort: 42.862112, -7.783115

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